Etappe 5: Baltische Länder

Gute Informationen zu den Baltischen Ländern Estland, Lettland und Littauen findet man hier online. Eine grosse Hilfe sind auch die beiden Hafenhandbücher die mir Kalevi – ein finnischer Segler – im Hafen Naissaare gegeben hat. Das Buch „Sail in Estonia and Latvia ist hier als PDF erhältlich. Das Hafenbuch „South Coast Baltic“ ist hier online. Kalevi segelt seit vielen Jahren im Baltikum und schreibt darüber Artikel in finnischen Yachtzeitschriften. Ein riesiges Glück für mich, dass ich Ihn im ersten baltischen Hafen getroffen habe. Das ist mir eine grosse Hilfe in der baltischen Törnplanung – vielen Dank. 

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Naissaare: Do, 30. Juli und 31. Juli 2026

Heute steht die Überfahrt nach Estland an. Um 07:00 Uhr habe ich im Hafen Jussarö abgelegt. Bis am Mittag war super SW-Wind und hatte bereits über 20sm hinter mir. Dann stellte der Wind ab und es war für knapp zwei Stunden komplette Flaute. Dann drehte der Wind auf NE und briste wieder leicht auf. Leider war dadurch meine Überhöhe vergebens; ich hatte mit auf West drehendem Wind gerechnet. Ich schaffte nicht mal mehr die nördliche Spitze von Naissaare, so fiel ich ab und segelte zur Südspitze der Insel. Auch hier flaute der Wind wieder ab und ich beschloss nun doch nicht nach Tallinn zu segeln und auf der näheren Insel Naissaar in der Tallinner Bucht Halt zu machen. Kurz vor 18:00 Uhr bin ich im Hafen von Naissaare. Es gibt noch einige freie Boxen. Ich legte mich ganz Aussen an einen Steg, da ich am Morgen gleich weiter nach Tallinn wollte. Mein Bootsnachbar mit einer Hellsmann Seniorita ist Kalevi ein finnischer Segler mit sehr viel Erfahrung im Baltikum. Er schenkt mir zwei Hafenbücher und gibt mir sehr viele nützliche Informationen zum Baltikum. Er gibt mir auch ein Magazin der Insel Hiiumaa, wo er für ein Interview abgebildet ist. Er beschreibt hier wie er 1991 mit 15 anderen Booten von seinem Club in Helsinki das erste Mal nach Estland segelte. Sowjetischen Kriegsschiffe eskortierten die 15 Segler damals in den Hafen. Ich blieb einen Tag auf der Insel und mietete mir ein Mountain Bike. Ich fuhr übe die Sandstrassen zum Leuchtturm im Norden und zum Dorf Männiku im Süden. Der Leuchtturm auf Naissaar gehörte über Jahrhunderte zu den wichtigsten Seezeichen für Schiffe im Finnischen Meerbusen. Die 19 Quadratkilometer grosse Insel wurde 1912 unter dem russischen Zaren militarisiert, wobei die ansässige Bevölkerung zur Umsiedlung gezwungen wurde. In der Folge entstanden Häfen, Eisenbahnanlagen und mehrere Küstengefechtsstationen, die Teil der Seefestung „Imperator Peter der Große“ wurden. Während des Ersten Weltkriegs und des nachfolgenden Freiheitskriegs befand sich auf der Insel auch ein Gefangenenlager. Nach der Unabhängigkeit Estlands war die Insel zwar Teil des Küstenschutzsystems, jedoch durfte die alteingesessene Bevölkerung zurückkehren. Während der sowjetischen Besatzung wurde die Insel vom Militär besetzt, es wurden ein Seeminendepot und ein Montagewerk errichtet. Auf Naissaar ist es immer noch möglich, Gebäude und selbst einige Ausrüstungsgegenstände zu besichtigen, die von der Sowjetarmee hinterlassen wurden. Am Abend gehe ich mit Kalevi noch einmal  nach Männiku Chili con Carne essen. Es ist nur eine kleine Waldbar. Fast die ganze Inselbevölkerung trifft sich im Laufe des Abends hier für das Abendessen und ein paar Drinks. Meine ersten Eindrücke von Estland sind sehr positiv und es gefällt mir sehr gut. 

Hafengebühren (8-10m): EUR 30.- (WC, Dusche, WLAN, kein Strom, Sauna extra)

Log: 39.05 sm


 

Tallinn Lennusadam (Seaplane Harbour): Sa, 1. August bis 3. August 2026

Von Naissare bin ich mit leichtem SW-Wind in zwei Stunden in Tallinn. Um 10:00 Uhr lege ich im Hafen Lennusadam an. Es gibt hier einige Gästeplätze in Boxen oder längsseits an den drei Stegköpfen. Ich bin froh, dass ich im Lennusadam Hafen angelegt habe. Dieser Hafen ist ruhig und zentral. Estland gehört zur EU, das Ein- und Ausklarieren entfällt. Der Nachbarhafen Noblesser ist auch gut, hier liegt man vor den schicken Restaurants aber unruhiger. Die ganz zentrale Old City Marina bei der Altstadt habe ich mit dem Fahrrad erkundet und sie hat mir nicht gefallen. Ich bleibe drei Tage in Tallinn. Es gibt unglaublich viel zu sehen und die Stadt gefällt mir sehr gut. Tallinn hat mir von allen Städten hier im Norden am besten gefallen. Tallinn ist die perfekte Stadt, wenn man den Komfort der modernen Welt mit einem Einblick in mittelalterliche Architektur verbinden will. Hier findet man eine vibrierende Startup-Szene inmitten kulturgeschichtlicher Schätze. Ein abwechslungsreiches Nachtleben in einer über Jahrhunderte gewachsenen historischen Umgebung. Tallinn wurde im frühen Mittelalter gegründet – heute bietet die Stadt eine aufregende Mischung aus Alt und Neu. Das Tolle: Da Tallinn so kompakt und grün ist, kann man in nur kurzer Zeit viel unternehmen und praktisch alles zu Fuss entdecken. Die Altstadt Tallinns ist eines der weltweit am besten erhaltenen Stadtzentren aus der Hansezeit. Nur einen Steinwurf ist das Geschäftszentrum der Stadt mit modernen Hochhäusern und Luxushotels, trendigen Stadtvierteln und grossen Einkaufszentren entfernt. Interessante Quartiere sind das Rotermann-Viertel. Ein ultra-modernes Fussgängerviertel direkt zwischen Altstadt und Passagierhafen. Hier trifft historische Backstein-Industriearchitektur auf futuristisches Design, ergänzt durch Boutiquen, Restaurants und das Pop-Art-Museum PoCo. Die kreativen Hipster-Viertel Kalamaja und Telliskivi liegen nordwestlich der Altstadt. Sie sind bekannt für bunte Holzhäuser, alternative Cafés, Streetart und den Kreativcampus Telliskivi Loomelinnak mit Designläden und Märkten. Das Fotografiska Tallinn im Herzen des Kreativcampus Telliskivi ist ein tolles modernes Fotomuseum, in dem hochkarätige Ausstellungen und einzigartige Veranstaltungen aufeinandertreffen. Im Erdgeschoss befindet sich ein gemütliches Café, im fünften Stock ein Bar-Restaurant mit herrlichem Blick auf die Tallinner Altstadt. Die Altstadt ist ein lebendiges Geschichtsmuseum im Herzen der Stadt – ein authentischer und einzigartiger mittelalterlicher Stadtkern, dessen Kopfsteinpflasterstrassen, mächtige Stadtmauern und jahrhundertealte Gebäude Geschichten aus mehr als 800 Jahren erzählen. Das Besondere an der Altstadt ist ihre seltene Vollständigkeit und ihr gut erhaltener Zustand – hier gibt es nicht nur einzelne historische Gebäude, sondern ein ganzes Stadtbild, das seit dem Mittelalter als Ganzes bestehen geblieben ist. Aus diesem Grund wurde die Tallinner Altstadt 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Neben dem historischen und kulturellen Wert finden sich hier heute Boutiquen, Kunsthandwerksläden, Cafés und Restaurants. In der Altstadt hat es mehrere Aussichtsplattformen, von denen aus man einen schönen Blick auf die roten Dächer und die Silhouette der Stadt Tallinn geniessen kann. Im Wasserflugzeughafen Lennusadam bei meinem Hafen befindet sich eines der beeindruckendsten Seefahrtsmuseen Nordeuropas. In den historischen Wasserflugzeughangars sind fast 200 authentische Exponate ausgestellt, die die Geschichte der estnischen Seefahrt, der Schiffsindustrie und der Marine vermitteln. Hier kann man das U-Boot „Lembit“, den über hundert Jahre alten Eisbrecher „Suur Till“, das Wasserflugzeug „Short 184“ sowie das älteste bekannte Schiffswrack estnischer Herkunft sehen. Das Schiffswrack  der Vasa in Stockholm ist natürlich einiges imposanter. Gleich neben dem Wasserflugzeughafen liegt der Hafen Noblessner. Noblessner wurde 1912 begründet, als zwei Geschäftsleute aus St. Petersburg hier die bedeutendste U-Boot-Werft des russischen Zarenreichs errichteten. Nach der Unabhängigkeit Estlands wurde der Schiffbau bis 2018 fortgesetzt. Bis heute ist das historische Erscheinungsbild der Gegend erhalten geblieben, in der sich Industriearchitektur mit modernen Gebäuden und öffentlichen Bereichen vermischt. Das Hafenviertel Noblessner wurde als bestes Stadtentwicklungsprojekt des Baltikums ausgezeichnet. Die Promenade und der Yachthafen bieten einen idealen Ort für Spaziergänge, von wo aus man einen wunderschönen Blick auf die Bucht von Tallinn hat und unvergessliche Sonnenuntergänge genießen kann. Toll ist auch der Markt am Baltischen Bahnhof (Balti Jaam). Er ist ein einzigartiger Markt, auf dessen drei Stockwerken sich etwa 300 Händler befinden. Im Untergeschoss befinden sich ein Supermarkt, ein Sportklub und verschiedene Dienstleistungen, im Erdgeschoss liegen die grosse Fisch- und Fleischhalle, die Gemüsestrasse und ein vielfältiger Streetfood-Bereich mit etwa 20 verschiedenen Anbietern. Der erste Stock ist hauptsächlich estnischem Design und estnischer Handarbeit, Kleidung, Haushaltswaren und Antiquitäten gewidmet. Die Mission des Markts am Baltischen Bahnhof besteht in der Förderung einer gesunden und ausgeglichenen Ernährung, dem Wertschätzen sauberer und echter Lebensmittel und darin, die feine Kunst der Essenszubereitung in Ehren zu halten. Von Tallinn geht’s am Dienstag west- und heimwärts. Wie bisher bestimmt weiterhin der Wind die Reise.

Hafengebühren (8m Boot): EUR 40.- (WC, Strom, Dusche, Waschmaschine, Trockner, WLAN, Sauna)

Log: 39.05 sm


 

Dirhami: Di, 4. und Mi 5. August 2026

Heute lege ich ausgeruht von den letzten Hafentagen bereits um 06:30 Uhr ab. Mit gutem SW-Wind komme ich auf einem Amwindkurs meist nahe an der Küste gut vorwärts. Teils Strandwiesen, Sandstrände, Steilküsten oder Industrie und Windräder. Vor dem Hafen Lohusalo ist dann der Wind nach dem Mittag plötzlich eingeschlafen. So peilte ich von weitem den Hafen Lohusalo an. Als ich westlich wieder mehr Wind sah und die Boote westlich von Lohusalo auf dem AIS-Plotter auch wieder mehr Fahrt hatten, entschied ich mich, meinen Kurs fortzusetzen. So ging’s am Nachmittag mit guter Fahrt weiter. Kurz vor Dirhami liess am Abend der Wind nach und er drehte auch noch auf West. Mit einer mühsamen langen Kreuz schaffte ich es grad noch vor den Hafen. Knapp vor 20.00 Uhr (Lokalzeit 21:00 Uhr) wurde ich vom Hafenmeister in eine freie Box eingewiesen. Nach über 50sm habe ich schnell festgemacht. Ich schaffte es gerade noch auf eine schnelle kalte Küche und ein Bier im Hafenrestaurant. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf’s Meer und man kann schöne Sonnenuntergänge geniessen. Wenige Fussminuten vom Hafen gibt es einen kleinen Dorfladen. Im Naturschutzgebiet könnte man bestimmt schöne Wanderungen machen. Ich bin froh, dass ich es heute mit gutem Wind und sommerlichem Wetter bis Dirhami geschafft habe. Lohasulo wäre zwar ein schöner Stopp gewesen; aber von hier habe ich mehr Optionen (Haapsalu, Kärdla auf der Insel Hiiumaa oder Svibey auf der Insel Vormsi). V.a. weil der Wind morgen wahrscheinlich eher schwach und drehend ist. In der Nacht hatte ich fast Angst, dass mein Nachbar auf seinem Motorsegler auch mein Mahagoni-Holz versagt, so laut hat es aus dem Nachbarboot geschnarcht. Am Mittwoch ist leider kompletter Ententeich, so dass ich die 25sm in einen neuen Hafen ohne Motor nicht schaffe. Die nächsten Tage soll es wieder windig sein. Gerne würde ich noch nach Riga (Lettland) segeln. Wenn ich mich ins Zeug lege, sollte dies mit einer rechtzeitigen Rückkehr grad noch drin liegen. Als Schüler spielte ich in Basel viel Volleyball. Über Weihnachten und Neujahr fand in Basel ein Internationales Volleyball-Turnier statt, das wir gerne schauten. Hier spielte zu Beginn immer ein Team aus Riga, das meistens gewann. Das war meine erste Erfahrung mit dem Baltikum; vorher waren mir diese Länder völlig unbekannt. Jetzt bin ich auf eigenem Kiel sogar schon weiter östlich als Riga.

Hafengebühren (6-9.99m Boote): EUR 30.- (WC, Strom, Dusche, gutes WLAN, keine Waschmaschine und Trockner, Sauna extra)

Log: 53.14 sm


 

Haapsalu Westmeri: Do, 6. August 2026

Es hält mich nichts in Dirhami. Um 05:30 Uhr lege ich ab. Zum Glück habe ich gestern gesehen, dass mein Nachbarboot, ein Charter-Boot (Oceanis 38), dass am Abend spät noch angelegt hat, ihre Leinen über meinen Leinen am Poller festgemacht hat. Ein riesiges Geknüppel mit Vor- und Heckleinen und Spring an einem Stück. Wirklich schlechte Seemannschaft. Ich habe sie höflich aufgefordert ihr Schiff neu festzumachen, so dass ich am Morgen los kann. Gleich nach der Hafenausfahrt habe ich das Grosssegel gerefft und bin gegen den Südwestwind aufgekreuzt. Meist war der Wind zwischen 15 und 20 Knoten. Das Wasser ist teils wieder sehr untief und man muss sich gut an die Betonnung halten und weiter draussen Segeln. Beim Fahrwasser nach Haapaslu habe ich das Grosssegel geborgen und bin dann noch die paar letzten Meilen mit achterlichem Wind unter Genua bis vor den Hafen gesegelt. Hier hat mich ein junger Hafenmeister bei der ersten Marina, der Westmeeri Marina,  zu einer Heckboje gewunken. um 12:00 Uhr bin ich fest. Die Marina ist top, beste Service-Anlagen und preislich sogar günstiger als die Grand Holm Marina. Der Hafenmeister hat für mich sogar die Schweizer Flagge gehisst. Den Nachmittag verbringe ich in der Stadt. Haapsalu ist eine malerische und sehr ruhige Kurstadt. Im 19. Jahrhundert schätzte der russische Adel, darunter die Zarenfamilie und der Komponist Pjotr Tschaikowski, den heilenden Meeresschlamm der Region. Imposant ist auch die historische Burg. Die Burgruine stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Altstadt ist geprägt von charmanten, bunten Holzhäusern, kleinen Kunstgalerien und gemütlichen Cafés. Ein architektonisches Meisterwerk aus Holz direkt am Wasser ist der Kursaal. Er ist heute ein Restaurant und Café. Die Uferpromenade entlang der Bucht lädt zum Flanieren ein. Schon Pjotr Tschaikowski liebte die morgendlichen Spaziergänge hier in Haapsala. Er verbrachte im Sommer 1867 einen prägenden Erholungsurlaub in Haapsalu, der tiefe Spuren in seinem Werk hinterlassen hat. Der damals 27-jährige Komponist reiste auf Anraten seines Arztes in den estnischen Kurort, um sich von einem Nervenzusammenbruch zu erholen. Die ruhige Atmosphäre der Stadt, die Sonnenaufgänge und die Schwäne in der Bucht inspirierten ihn nachhaltig. Während seines zweimonatigen Aufenthalts schuf Tschaikowski bedeutende Stücke, so z.B. Souvenir de Hapsal. Ein bekanntes Denkmal der Stadt ist die Tschaikowski-Bank an der Promenade. Wahrscheinlich schaffe ich es doch nicht mehr nach Riga. Der heutige Tag hat gezeigt, wie weit der Heimweg mit Aufkreuzen noch sein kann. Und heute war bestes Champagner-Segeln. Mit Regen und Welle kann das noch viel anderes werden. Aber auch ohne Riga stehen auf dem Heimweg noch ein paar Highlights an. Am Freitag legt der Wind noch weiter zu. Ich bleibe im Hafen. Mein nächstes Ziel Kuivastu. Kuivastu ist ein Hafenort an der Ostküste der Insel Muhu am Moon-Sund. Von Kuivastu aus gibt es eine Fährverbindung zum Festland nach Virtsu.

Hafengebühren: EUR 30.- (WC, Strom, Dusche, Waschmaschine, WLAN, Sauna)

Log: 30.17 sm


 

Mögliche Stopps:

– Kuivastu  (Insel Muhu, EST)

– Koiguste (Insel Saaremaa, EST)

– Kuressaare (Insel Saaremaa, EST)

– Möntu (Insel Saaremaa, EST)

– Insel Abruka (EST)

– Riga (LET)

– Roja (LET)

– Ruhnu (EST)

– Ventspils (LET)

– Pavilosta (LET)

– Liepaja (LET)

– Klaipeda (LIT)

– Nida (LIT)

Achtung: Kalingrad, (RUS, 12sm-Zone)

Einen detaillierten Bericht zu Lettland hier.

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