Kalmar: Mi, 20. Mai und Do, 21. Mai 2026

Um 08:00 Uhr lege ich ab. Mit leichtem Ostwind geht’s auf einem Amwindkurs direkt Richtung Kalmar. Mit der Genua läuft es gut. Die beiden grossen Bavaria-Schulschiffe «Joint he Crew» laufen mit ein paar Minuten Rückstand ebenfalls aus. Im Laufe des Tages dreht der Wind über SE auf S. Vor Kristianopel plötzlich Nebelschwaden vom Meer her und schon stecke ich zweimal in dichtem Nebel. Die ca. 200m vor mir liegende Bavaria sehe ich plötzlich im Nebel nicht mehr. So schnell wie der Nebel kam ist er auch wieder weg und es ist wieder sommerlich war und sonnig. Als am späten Nachmittag der Wind auf Süd drehte, setzte ich noch den Spi. Bei 6kn ging’s noch schleichend voran, aber immerhin keine Motorengeräusche. Die Bavaria vor mir hat inzwischen den Motor an und später überholt mich die zweite auch unter Motor. Mit dem Spi ging’s fast bis zum Hafen. Die letzte halbe Stunde ist der Wind fast eingeschlafen und so ging’s auch für mich unter Motor zum Hafen. Knapp vor 20:00 Uhr bin ich da. Ich wählte den Anlegesteg vor dem Schloss. Eine gute Wahl. Es liegen nur zwei Boote da, eine Deutsche HR 34 und die Kanadische Garcia 45 von Utklippan vom Vortag. Auch der Stadthafen ist fast leer, hier ist es aber idyllischer. Der Tiefgang von 2m selektiert hier einbisschen. Zu den Sanitäranlagen vom Hafen muss man nur ca. 100 über die Strasse gehen. Nach einem schnellen Znacht geht’s müde ins Bett. Der Donnerstag ist ein Hafentag. Zuerst ein Spaziergang zum Schloss. Dann Lunch im Restaurant «Zegel» beim Hafenbüro. Wie in Schweden üblich: Salatbuffet, Kaffee und Gebäck sind inklusive. Und das am Mittag zu kleinem Preis. Es schmeckt super und die Atmosphäre mit Pensionierten, Studenten und Geschäftleuten sehr sympathisch. Gestärkt geht der Rundgang durch die Stadt weiter. Die Stadt habe ich dann schnell gesehen. So habe ich noch meine Vorräte im Coop im Einkaufscentrum «Baronen» am Hafen nachgefüllt. Am Abend in der Stadt dann pötzlich Donner und Starkregen. Bei meiner Rückkehr beim Boot bin ich total nass. Auch die Luke ist beim einen Schliesshebel nicht mehr ganz dicht. So läuft nun die Heizung zum Trocknen.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 290.- (alles inkl., beim Schlosshafen kein WLAN)

Log: 45.67 sm


 

Paskallavik: Fr, 22. Mai 2026

Auch heute wieder kurz nach 08:00 Uhr abgelegt Um 09:00 Uhr passiere ich die Brücke. Mit achterlichen Winden geht’s gut voran. Mein Ziel Borgholm auf Öland erreiche ich schon am Mittag; so beschliesse ich den schönen Wind zu nutzen und weiter nach Paskallavik zu Segeln. Bis vor’s Fahrwasser ging’s bei schönem Wetter und rascher Fahrt auf Amwindkurs gut voran. Das Fahrwasser war eng und der Wind drehte auf NW so, dass Paskallavik genau im Wind lag. Die letzten zwei Stunden kam so leider der Motor zum Einsatz. Zuerst ging’s noch an Industrie vorbei, doch dann schöne bewaldete Schären. Eine neue Welt öffnet sich. Passkallavik erreiche ich um 17:00 Uhr. Der Hafenmeister nahm die Leinen an; ich bin der einzige Gastlieger. Es ist der erste Sommertag. Abendessen in kurzer Hose und T-Shirt und leckerer Take-Away-Pizza auf dem Schiff mit Blick auf die Bake «Röda Gubben, roter Mann». Die Skulptur von Arvid Källström steht auf Wache auf einer felsigen Insel in der Einfahrt des Hafens. Der Bildhauer Arvid Källström hat dreissig Jahre hier gelebt und gearbeitet.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 250.- (alles inkl., WLAN)

Log: 36.00 sm


 

Byxelkrok auf der Insel Öland: Sa, 23. Mai 2026

Am Morgen ging’s gemächlich los. Zuerst ein ausgiebiges Früchstück und dann noch einen 10 Liter Kanister Diesel tanken in der nahen Tankstelle. Die Wasserpumpe ist immer noch nicht dicht. Wahrscheinlich ist der Filter kaputt. Um 10:00 Uhr ist Start zum kurzen Slalom um die vielen Steine. Nach einer Stunde habe ich die Steine mit achterlichem Westwind passiert. Ich hiesse den Spi, es ist ein direkter Anlieger nach Byxelkrok auf Öland. So habe ich Öland wenigstens nicht ohne Halt passiert. Heute wenig Wind und viel Sonne; doch auch so komme ich unter Spi zu einer guten Zeit an. Ich starte in kurzen Hosen und T-Shirt. Der Spi-Spass ist nur von kurzer Dauer und der Wind dreht wieder auf Süd-West. Dafür legt der Wind zu, so dass ich mit Halbwind meist 6kn schnell vorankomme. Um 13:00 Uhr quere ich bereits die Insel «Bla Jungfrun». Die Insel ist heute ein Nationalpark; es gibt meist ungeschützte Ankerplätze. Um 14:00 Uhr habe ich längsseits in Byxelkrok angelegt. Auch hier bis am Abend nur wenige Boote – alle längsseits. Im Sommer gibt es hier viele Heckbojenplätze und es muss sehr voll sein. Kleine, rote Fischerhütten mit Boutiquen und Cafés säumen den Hafen und geben ihm eine nette Atmosphäre. In der Fischräucherei kaufe ich mein Abendessen ein. Vielleicht nutze ich den Hafen als Absprung nach Gotland. Daheim wäre heute die 100 Meilen-Regatta. Aber glaub kein Wind und ebenfalls schönes Wetter.

Hafengebühren: SEK 230.- (inkl. Wasser, kein WLAN, Strom kostet zusätzlich)

Log: 19.35 sm


 

Visby auf der Insel Gotland: So, 24. Mai und Mo, 25. Mai 2026

Heute ist eine längere Strecke nach Gotland geplant; daher war frühes aufstehen angesagt. Bereits um 06:30 habe ich abgelegt. Die Segel sind schnell gesetzt. Mit achterlichem Westwind geht’s bis zur Nordspitze von Öland. Von hier dann zuerst mit ausgebaumter Genua und später mit Spi Richtung Visby. Auch heute schlief der Wind am späten Nachmittag komplett ein. Die letzten drei Stunden bis zur Ankunft daher leider wieder unter Motor. Es kommen mir ein Kreuzfahrtschiff und eine Fähre entgegen. Im Hafen finde ich gut Platz. Korrekt an einer Heckboje im Inre hamen; so liege ich schön im Wind. Neben mir ein Deutsches Boot, das auch schon auf Utklippan war. Heute sind die Schweizer aber in Überzahl: Auch hier sind eine orange RM 1015 und ein Dragonfly 28. Auch die brandneue Dragonfly 38, die mich bei der Einfahrt in den Kalmarsund überholt hat, liegt ebenfalls hier. Am nächsten Tag sind die grossen Charterboote der Polen in Überzahl. Nach einem kurzen Abendessen an Bord ein Spaziergang durch die Stadt. In der Abendsonne von See aus kommt Visby voll zur Geltung. Visby liegt am Hang: Kirchtürme der Domkirche, Teile der alten Stadtmauer, Wehrtürme und viele kleine bunte Häuser. Es hat unzälige Bars und Restaurants, aber auch heute noch wenig Betrieb. Früher wurden viele Szenen der Pipi Langstrumpf-Filme in den Strassen der Altstadt von Visby gedreht. Die originale Villa Kunterbunt aus den Pippi Langstrumpf-Filmen befindet sich im Freizeitpark Kneippbyn südlich von Visby. Der Montag ist ein Hafentag mit Stadtbummel durch den Botanischen Garten und entlang der Stadtmauer zum Einkaufen in einen grossen Coop (Coop Öster, Österväg 7), der auf dem Rückweg gar nicht mehr so weit vom Hafen ist. Es gab noch einfache Bordküche. Den Abend lasse ich gemütlich in der Stadt ausklingen.

Hafengebühren: SEK 583.80 für zwei Nächte (CHF 25.60 pro Nacht), Strom am Steg, eigentlich müsste man aber auch hier Strompakette buchen; der Strom ist aber freigeschalten; kein WLAN, freies WLAN nur beim Touristenbüro.

Log: 43.98 sm


 

Lauterhorn auf der Insel Farö: Di, 26. Mai, Mi, 27. Mai und Do, 28. Mai 2026

Um 07:00 Uhr habe ich abgelegt. Ich folge einer grossen Fähre aus dem Hafen. Sie fährt wahrscheinlich nach Stockholm. Bei mir wird es Lauterhorn. Mit räumlichem Wind aus Südwest geht’s bei schönem Wetter der dicht der Ostküste von Gotland entlang nordwärts. Es lief gut, so querte ich den Hafen Lickershamn schon vor dem Mittag. Den zackigen Kalkfelsen „Jungfru Rauika“ sehe ich von weitem. Kurz vor drei Uhr bin ich vor Lauterhorn. Von weitem leuchtete schon der Kalkstein-Strandwall beim Hafen. Es ist kein Gastlieger vor Ort; ich lege mich längsseits an den ersten Steg. Es ist ein einfacher Hafen, aber alles tip top. Lauterhorn liegt auf Farö. Die Insel Fårö liegt nordöstlich von Gotland. Der Mittwoch ist ein Hafentag. Es ist kühles und windiges Wetter. Mit dem Fahrrad geht’s quer über die Insel und ich klappere viele Sehenswürdigkeiten ab. Fårö ist fast 20 km lang und 8 km breit; so kommen doch einige Kilometer zusammen. Vom Segeln hat schon einiges geschmerzt, jetzt ist von der Fahrradtour mit dem Klapprad noch einiges an Schmerzen dazugekommen. Fårö ist karger, einsamer und steiniger als Gotland. Der Fahrradweg führt entlang vom Meer. Schon nahe vom Hafen die ersten Kalksteinsäulen (Raukas). Digerhuvud ist ein mehrere Kilometer langes Raukengebiet/Naturschutzgebiet und das grösste Raukenfeld Gotlands. Die Rauken, die sich in allen Grössen aus dem Meer recken, sind entlang der gesamten Küste anzutreffen. Am nördlichen Ende des Naturschutzgebiets liegt Helgumannen, das besterhaltene Fischerdorf von Fårö, das im 18. Jahrhundert auch das bedeutendste der Insel war. Weiter ging’s durch Kiefernwälder mit Heidekraut, Wacholder und verschiedenen Gräsern, die den trockenen und windigen Bedingungen standhalten. Es gibt viele schöne Strände. Ekevikens Badplats (Nordersand) iegt in einer weiten Bucht an der Nordseite der schmalsten Stelle der Insel, nur gut zwei Kilometer vom langen Sundersand Strand südlich. Auf dem Rückweg am Nachmittag dann ein Halt bei Kutens Bensin, einem alten Bauernhof. Hier weht der Geist der 1950er Jahre, so schrill, so bunt, so alt. Unberührt kann man von diesem Ort nicht sein, man spürt die Liebe der Inhaber zu Elvis oder James Dean. Ein Autofriedhof macht hier seinem Namen alle Ehre. In der Crêperie Tati gibt es leckere französische Crêpes und Galettes; eine alte Jukebox spielt Retro-Hits. Das Fårö Museum und das Bergman-Center habe ich nicht besucht. Zum Schluss fahre ich noch zum Gamla Hamn, hier gibt’s weitere schöne Kalksteinsäulen (Raukas). Beim Boot dann kurze Regenfronten mit Starkwind. Am Abend flaut der Wind ab. Für meine nächste Passage benötige ich gute Bedingungen, es wird wahrscheinlich eine Nachtfahrt.

Hafengebühren (< 12m): SEK 150.- (exkl. Strom + SEK 50.-), gutes WLAN

Log: 34.58 sm


 

Nynäshamn Marina: Fr, 29. Mai und Sa, 30. Mai 2026

Um 06:30 Uhr lege ich ab. Die Windprognosen sind bescheiden: Leichter Wind aus NW; eigentlich gerade aus der Richtung in die ich Segeln möchte. Am späten Nachmittag soll der Wind dann auf SE drehen. Mit Gross und Genua geht’s zuerst auf einen Amwindkurs. Es läuft ganz okay, störend ist einfach noch die Welle der letzten Tage, die bei zu schwachem Wind die Segel schlagen lässt und mein Kurs geht auch noch nicht in eine Richtung in die ich möchte: Ich möchte weder zu weit zurück noch in Richtung Finnland Segeln. Ich habe mich einfach auf einen Tag auf See eingestellt, wo es hingeht ist vorerst noch offen, einfach möglichst schnell wieder zurück an die Ostküste Schwedens und das ist bei diesen Bedingungen auf jeden Fall ein langer Weg. Am Nachmittag habe ich noch den Spi gesetzt, so ging’s für einige Zeit gut voran. Wie erwartet wird es eine Nacht auf See. Seit dem Sonnenuntergang geht’s dann plötzlich schnell voran. Mit ausgebaumter Genua und Gross direkt in Richtung Nynäshamn. Die Nacht ist kalt. Ich habe drei Schichten Kleider an. Ich bin viel in der Kabine und gehe jede halbe Stunde für einen Kontrollblick an Deck. Es ist ruhig und es gibt nur wenig Verkehr. Das Grosssegel ist inzwischen geborgen, so dass ich bisschen langsamer bin und erst am Morgen in Nynäshamn ankomme. Da der Wind am Morgen noch nachlässt bin ich doch erst um 08:00 Uhr im Hafen. Müde hole ich Schlaf nach und tätige später Einkäufe im Coop. Die Versorgung hier ist tiptop, sonst bietet der Ort nicht viel.

Hafengebühren: SEK 280.-

Log: 67.15 sm


 

Utö: So, 31. Mai 2026

Heute bin ich erst nach dem Mittag los. Zuerst plante ich noch in Richtung Dragetskanal zu motoren und dort zu ankern oder mich an einen Steg zu legen. Doch es kam bei bestem Wetter schöner SE-Wind auf. So segelte ich lieber mit achterlichen leichten Winden in die „richtige“ Richtung. Es war langsames schönes Schärensegeln. Zum Schluss drehte der Wind auf NE und mit einem schönen Amwindkurs ging’s bis vor Utö. Hier nahm ich die südliche Einfahrt und legte mich ganz aussen an den langen Steg. Bei der Einfahrt muss man vorsichtig navigieren, aber alles unproblematisch. Vor Anker war eine grosse Schweizer Yacht. Ein paar weitere Yachten sind im Nordhafen, sonst aber alles noch sehr ruhig. Anders in der Hauptsaison, hier findet man dann kaum Platz. Es ist wunderbar ruhig, ein schönes Naturschutzgebiet. Am Abend verliert die Schweiz leider den Eishockey-WM-Final gegen Finnland.

Hafengebühren: SEK 00.-

Log: 12.56 sm


 

Stockholm: Mo, 1. Juni bis Fr, 5. Juni 2026

Ich hatte es nicht eilig und putzte am Morgen noch bisschen das Boot und machte Büro. In Nynäshamn habe ich mich entschieden doch nach Stockholm rein zu segeln. So war der neue Plan in ein bis zwei Etappen nach Stockholm zu segeln. Um 10:00 Uhr habe ich abgelegt. Ein herrlicher Tag, ich startete nur mit Shorts und Pullover. Mit Vor- und Raumwind geht’s in Richtung Dalarö. Vor Dalarö war hinter den Schären nur noch wenig Wind; mit Schmetterlings-Besegelung ging’s trotzdem noch langsam voran. Nach Dalarö plötzlich auffrischender Wind; so ging’s bei 10 bis 15 kn Wind unter Volltuch auf Halbwind aus den Schären raus. Anschliessend konnte ich nur noch abfallen und mit Vorwindkurs in Richtung Stockholm. Es lief grad so gut, dass ich in einem Rutsch nach Stockholm durchfuhr. Es hätte einige Häfen für einen Stopp gehabt. Hier in den Vororten von Stockholm wird es schon recht „bonzig“, so wird es z.B. nichts aus einem Halt beim Königlich-Schwedischen Segelclub in Saltsjöbaden vor dem Grandhotel. Nördlich von Saltsjöbaden geht es in den Baggensfjärden; ein sehr enges Fahrwasser. Ich rausche mit Volltuch auf Vorwind in Richtung Einfahrt, die noch nicht zu sehen war. Von hinten überholt mich gerade ein Polizeiboot, das auch den gleichen Kurs hat. Bei der Einfahrt zum engen Kanal ein Schild mit Geschwindigkeitsbegrenzung von 5 kn. So nahm ich dann doch lieber schnell das Grosssegel runter; ich wollte ja nicht noch Probleme mit der Polizei und eine Busse wegen zu schnellem Segeln :-). Und gut war es; es war plötzlich so verdammt eng. Hinter den Bäumen war natürlich sowieso kein Wind mehr – mit Segeln wäre schnell nichts mehr gewesen. Dann führt der Kurs dicht an hohen, mit Villen bebauten Felsen, Steganlagen und Heckbojen vorbei. Die Skurussund-Brücke ist mit über 20m Höhe kein Hindernis. Unter Motor oder teils mit Vorsegel geht’s weiter noch das letzte Stück nach Stockholm. Es war so wenig Verkehr, einfach herrlich. Im Sommer werden hier bestimmt unzählige Motorboote unterwegs sein. Der Wind drehte inzwischen auf West und es geht gegen an. Um 18:00 Uhr lege ich im Wasahamnen an. Es ist schon ein weiter Weg bis man beim Hafen ist; aber es ist kurzweilig und gibt viel zu sehen. Der Hafen ist erstaunlich leer. Die Gäste vom Wochenende sind inzwischen weg. Es war Marathon und der Hafen war voll belegt. Ich nehme eine Box mit Auslegern. Es ist immer wieder schwierig so anzulegen, da die Ringe schwierig zu greifen und die Ausleger sehr wacklig sind. Mit einer Achterspring auf die Mittelklampe geht’s gut. Ich hatte mich schon auf Heckbojen eingestellt, doch am ersten Steg liege ich ruhiger als an den Heckbojen vorne am Quai, wo viele Passanten spazieren. Müde ging’s schnell ins Bett; eigentlich wollte ich ja ein paar kurze Etappen machen. Ich bin froh, dass ich bereits hier bin. In einem Villen-Vorort wäre mir glaub die Decke auf den Kopf gefallen. Und schönen Vorwind muss man einfach nutzen; noch zu gut erinnere ich mich an die viele mühsame Kreuz im letzten Jahr. Der Dienstag ist ein erster Hafentag mit den Hauptsehenswürdigkeiten von Stockholm, z.B. Altstadt (Gamla Stan), das königliches Schloss oder das Rathaus. Am Morgen ging ich gleich ins Vasa-Musem, das gleich neben dem Hafen liegt. Ich war einer der ersten und es war um 09:00 Uhr noch schön ruhig. Die Vasa wurde zwischen 1626 und 1628 im Auftrag von König Gustav II. Adolf gebaut. Sie sollte das prunkvollste und stärkste Kriegsschiff der schwedischen Flotte im Dreissigjährigen Krieg werden, ausgestattet mit 64 Kanonen. Am 10. August 1628 trat das Schiff seine Jungfernfahrt an. Aufgrund konstruktiver Mängel – der Schwerpunkt lag durch die schwere Bewaffnung zu hoch und der Rumpf war zu schmal – reichten erste Windböen aus, um das Schiff zum Kentern zu bringen. Die Vasa sank nach nur etwa 1300 Metern Fahrt direkt vor dem Stockholmer Hafen. Nach 333 Jahren auf dem Meeresgrund wurde das Wrack dank der Suche des Ingenieurs Anders Franzén entdeckt und am 24. April 1961 erfolgreich geborgen. Dank des sauerstoffarmen Wassers der Ostsee blieb das Schiff zu 98 Prozent erhalten. Nach aufwendiger Konservierung ist die Vase heute im speziellen im Vasa-Museum zu bestaunen. Ein wirklich toller und lohnenswerter Besuch. Am Mittwoch ist Fahrradtag: Zuerst habe ich Wäsche gewaschen, noch Diesel an der Tankstelle geholt und später neue Seekarten runtergeladen – die Reise geht definitiv noch weiter – ich bin immer noch motiviert! Nach einem späten Mittagessen im Café «Bla Porten» habe ich die Insel Djurgården mit dem Fahrrad abgefahren. Auf der Insel Djurgården sind einige der grössten Touristenattraktionen Stockholms: Z.B. das Vasa-Museum, Skansen, Gröna Lund, ABBA-Museum, Junibacken, Waldemarsudde und Rosendal. Abseits der Hauptattraktionen ist die Insel aber ländlich. Ich fuhr meist dem Ufer entlang mit Blick auf’s Wasser. Am äusseren Ende gab es dann Fika: Kaffeepause mit Kuchen. Zum Schluss noch bisschen Vorräte einkaufen in der Stadt. Am 4. Juni war wechselhaftes Wetter vorausgesagt. Ich blieb im Hafen – ich komme wahrscheinlich nicht so schnell wieder nach Stockholm und die Anfahrt auf eigenem Kiel ist ein langer Weg. Ein weiterer Tag mit Sightseeing ist angesagt. Zuerst ging ich mit dem Fahrrad kurz nach Skeppsholmen. Vor dem Moderna Museet gibt es bunte Figuren von Nikki de Saint Phalle und Installationen von Jean Tinguely zu sehen. Das «Paradies» ist ein 16-teiliges Kunstwerk. Um 12:15 Uhr war beim Schloss Wachablösung. Diese war nicht sehr spektakulär. Anschliessend weiter zum Rathaus (Stadshuset, City Hall). Im Rahmen einer geführten Tour (SEK 150.-) war es möglich, die bekanntesten Räume des Rathauses zu besichtigen. Einen prachtvollen Anblick bietet der Goldene Saal mit einem eindrucksvollen Wandmosaik aus Millionen von Glas- und Goldstücken. Hier findet der traditionelle Tanz nach der Verleihung des Nobelpreises statt. Ein weiteres Highlight ist der Blaue Saal, in dem das Nobelpreisbankett abgehalten wird. Trotz seines Namens ist der Saal jedoch nicht blau, da der Architekt Ragnar Östberg während des Baus entschied, die Wände nicht zu bemalen, sondern die roten Ziegelsteine sichtbar zu lassen. Auf dem 106m hohen Turm des Rathauses mit beeindruckender Aussicht über Stockholm war ich nicht. Aufgrund des aufkommenden Regens lieber Fika in der Altstadt in der ältesten Konditorei Stockholms «Sundbergs Konditori». Am Abend kühler und teils Regen. Mal schauen was morgen mein Geburtstag bringt, vielleicht 50sm. Nein, einen Hafentag mit Bordküche und sonst nicht viel. Das kostenlose Schiffsmuseum gleich neben dem Hafen war wegen einer geschlossen Veranstaltung leider geschlossen. Den Hafen hatte ich wegen dem Geburtstag heute kostenlos und ein Stück selbstgebackenen Kuchen gab’s vom Neffen der Hafenmeisterin gleich noch dazu. Er ist seit zwei Tagen Aushilfe. Hier in Schweden ist einfach alles so nett. Vielen Dank.

Hafengebühren: SEK 500.- (SEK 400 + SEK 100 für Strom, CHF 42.30), schlechtes WLAN

Log: 32.39 sm (Total bis Stockholm: 529.80 sm)


 

Vaxholm: Sa, 6. Juni 2026

Heute ist in Schweden Nationalfeiertag. Im Hafen sind keine Gästeflaggen mehr oben, es wehen nur noch Schwedische Flaggen. Viele Schiffe sind mit Flaggen dekoriert. Ich lege um 09:30 Uhr ab. Heute nur eine kurze Strecke. Mit achterlichen NW-Wind geht’s langsam nach Vaxolm. Es ist bedeckt und grau, aber trocken und warm. Um 13:00 Uhr habe ich die 10 sm geschafft. Im Hafen finde ich gut Platz – anlegen mit Grundgeschirr. Die Hafenmeisterin nimmt die Vorleinen an und gibt das Grundgeschirr an Bord. Neben mir liegt ein schönes Schweizer Motorboot (Vrijhei). Sie sind schon lange hier oben unterwegs und haben viele gute Tipps. Langsam komme ich ins Schwedische Leben rein: Am Nachmittag gibt’s wieder Fika bei Camilles Trädgard & Cafe. Gemütlich in einem schönen Garten. Dann noch ein kurzer Einkauf im Coop und zum Abendessen den Rest vom Vortag. Vaxolm ist ein beliebtes Ausflugsziel von Stockholm und hat gute Fährverbindungen. Es ist eine gemütliche Kleinstadt mit Läden, Galerien, Cafés und einem sehr lebendigen Treiben um den Hafen. Bekannt ist der Ort auch für die Festung, die gegenüber auf der kleinen Insel Vaxholmen liegt. Gustav Vasa hat sie 1863 bauen lassen, um die nördliche Einfahrt nach Stockhom zu sichern. Heute ist sie ein Museum. Es gibt Bootsverbindung zwischen dem Hafen und der Festung. Da ich nicht so Fan von Festungen bin, bin ich nicht zur Festung rübergefahren. Am Boot habe ich die Mastrutscher und die Gummis der Fenster und Luke mit Silikon eingesprüht. Das Grosssegel geht nun wieder wie eine Eins nach oben.

Hafengebühren: SEK 340.- (CHF 29.-), exkl. Strom (über App zu buchen), kein WLAN

Log: 10.10 sm


 

Sandhamn KSSS: So, 7. Juni 2026

Heute schöner Wind aus Süd. Kurz vor 10:00 Uhr habe ich abgelegt. Die ersten Meilen räumlich nur mit Genua. Ein kurzer Tripp wäre es nach Grinda gewesen. Grinda soll schön sein, ist für heute aber zu nah. Schon bald geht das Grosssegel hoch und der Speed nimmt zu. Der Wind und der blaue Himmel mit viel Sonne waren zu schön um zu früh schon wieder in einem Hafen zu sein. Ich habe nur Shorts und einen Pulli an; der Sommer kommt. Auch hier wieder schöne bewaldete Schären, immer noch mit vielen schönen grossen Villen. Der Wind nimmt immer mehr zu, so ging’s zum Schluss richtig flott durch die Schären.  Bei der Insel Vindö ging’s aus der Windabdeckung der Schären raus, jetzt natürlich auch mehr Welle. Ohne Reff und mit gerollter Genua war ich auf dem Amwindkurs am Limit (15-20kn). Ein Reff wäre natürlich gut gewesen. Unter Segeln ging’s bis vor den Hafen. Eigentlich wollte ich in den ruhigeren Naturhafen „Lökholmen“. Da der KSSS-Clubhafen sehr leer war, habe ich gleich hier Halt gemacht. Die jungen Hafenmeister geben das Grundgeschirr rüber und nehmen die Vorleinen an. Im Sommer, wenn die Schweden Ferien haben und auf dem Wasser sind, ist in Sandhamn der Bär los und man findet kaum Platz. Ich liege direkt vor dem Hotel. Neben den Crews der Boote und Yachten kommen im Sommer mit diversen Fähren Tausende Tagestouristen und Inselurlauber zusätzlich auf die Insel. Auch ist Sandhamn der Regatta-Hotspot von Schweden (z.B. Gotland Runt). Von dem merkt man heute gar nichts, nur zwei Junge kommen mir mit einem Nacra-Katamaran entgegen. Zuhause in Sandhamn ist der KSSS. Die Abkürzung steht für Kungliga Svenska Segelsällskapet. Das ist mit mehr als 5’000 Mitgliedern der grösste Yachtclub Schwedens. Der KSSS wurde 1830 gegründet und ist daher auch der älteste Yachtclub Schwedens. Weltweit gibt es nur ganz wenige Clubs, die noch älter sind. Das auffällige ehemalige Clubhaus des KSSS aus dem 19. Jahrhundert ist heute ein Hotel mit Bar. Die „Stadt“ habe ich schnell gesehen, es ist fast alles noch geschlossen oder hat schon früh zugemacht (z.B. Supermarkt um 15:00 Uhr). Es gibt Bordküche und noch Bootsunterhalt an Bord. Mit WLAN auch bisschen Radio aus der Schweiz.

Hafengebühren: SEK 210.- (CHF 17.90), exkl. Strom und Wasser, gutes WLAN

Log: 25.02 sm


 

Söder Langholm (Finnhamn): Mo, 8. Juni 2026

Am Morgen liegt am Steg gegenüber eine neue Swan 55 unter Schweizer Flagge (Metanoia2). Sie kommen von der Swan-Werft in Pietarsaari (Finnland) und wollen die Yacht bis Ende Jahr in Etappen nach Sydney zum Hobart-Race überführen. Zwei Crewmitglieder haben auch Segelboote am Neuenburgersee; einer ist ein Bekannter meines Nachbars in Klosters. Die Segelwelt ist manchmal klein. Nach 11:00 Uhr lege ich ab. Es sind nur knapp 15sm in den schönen Naturhafen Finnhamn. Unterwegs habe ich eine kleine Regatta mit einer Finngulf 33. Ich verliere das David gegen Goliath Duell respektabel. Mit achterlichem Südwind bin ich kurz nach 15:00 Uhr dort und lege längsseits an einem Steg an. Es ist ein kleiner Anleger zwischen den Inseln Söder Langholm und Stora Korsholen. Mächtige rundgeschliffene Felsbuckel sind am Ufer. Kurz vorher hat ein Schwedisches Segelboot angelegt, so dass wir heute nur zu zweit an diesem schönen Platz sind. Ein sehr ruhiger Platz. Es sollten um diese Zeit hier schöne gelbe und rote Orchideen blühen, ich konnte aber leider keine sehen. Es geht nun langsam in Richtung Alands.

Hafengebühren: SEK 0.- (kein Strom und Wasser, es hat ein Plumsklo, kein WLAN)

Log: 12.88 sm


 

Arholma, Österhamnen: Di, 9. Juni und Mi, 10. Juni 2026

Am Morgen war leichter Nebel über der Bucht. Kurz nach 09:00 Uhr lege ich ab. Mit leichtem Südwind geht’s langsam Richtung Insel Arholma. Arholma ist mein Absprunghafen zu den Åland-Inseln. Der achterliche Südwind ist ideal und bringt mich gut voran. Das Fahrwasser ist teils eng und öfters in Landabdeckung, landschaftlich kurzweilig und wunderschön. Es ist sind erneut kaum andere Schiffe unterwegs. Gegen Mittag kommt plötzlich leichter Nebel auf. Das kann ich hier in den Schären grad gar nicht brauchen. Doch er wird nie dicht und verzieht sich bald. Um 16:00 Uhr bin ich in Arholma. Es sind zwei Segelschiffe am Holzsteg mit Heckanker. Ich mache den neuen Anker klar und versuche es auch. Es klappt auf Anhieb wunderbar und ich liege bestens. Es ist kein Vergleich mit dem Anker im letzten Jahr. Es kommen dann noch zwei Deutsche Yachten (Thule und Sabina). Sabina, die schöne Linjett 37 hatte beim ersten Manöver Probleme mit dem Abrollen der Ankerleine. Dann aber auch ein guter Anleger. Sie hatten den ersten Segeltag und kommen von der Linjett-Werft bei Norrtälje. Ich werde meine Ankerrolle nun doch nicht am Heckkorb montieren. Ich habe am Heck mit Flagge, Rettungsring, Heckleinen und Spischoten einfach zu wenig Platz. Meine 40m Ankerleine kann ich in der Backskiste in einem Sack verstauen und den Heckanker habe ich vorne im Ankerkasten. Über Nacht kommt der angekündigte Starkwind. Er bringt kurz Regen. Positiv: Die Lucke ist nun dicht und der Anker hält weiter bestens. Wir liegen hier alle sehr geschützt, auch die beiden Yachten, die aussen vor Anker liegen. Am nächsten Tag erkunde ich die Insel zu Fuss. Arholma ist eine unter Naturschutz stehende, autofreie Insel. Es gibt einen wunderschönen Wanderweg entlang der Küste. Gleich beim Hafen geht’s los, ich wandere den Weg gegen den Uhrzeigersinn. Der Weg gehört zum Stockholmer Archipelago Trail. Der ganze Trail geht über 270 km von Arholma über 20 Inseln bis nach Landsort im Süden. Hier auf Arholma dauert der Wanderweg etwa vier Stunden und führt entlang der Küste an schöne Buchten, eine sogar mit Sandstrand und viel durch den Wald. Den Mückenspray habe ich leider vergessen. Von der Arholma-Bake (Leuchtturm) hat man einen schönen Blick über den Schärengarten. Unterhalb der Bake gibt es eine kleine Lotsenstation, die die Geschichte der Lotsen kurz erklärt. Leider nur auf Schwedisch. Meine Nachbarn von der Linjett sind auch hier. Sie können Schwedisch, da sie mehrere Jahre in Stockholm gelebt haben. Nach der Wanderung habe ich dieses Jahr das erste Mal in der Ostsee gebadet. Kühl aber ich bin wieder frisch. Das Wasser ist hier an der Ostküste schon viel weniger salzig. Zum Abendessen gibt’s Omni-Küche und es geht früh ins Bett.

Hafengebühren: SEK 150.- (kein Strom und Wasser, es hat ein Plumsklo, kein WLAN), es gibt eine schöne Sauna (muss man reservieren).

Log: 24.48 sm


 

Kobba Klintar, Åland-Inseln: Do, 11. Juni 2026

Um 08:40 Uhr geht’s los zu den Åland-Inseln. Die Åland-Inseln liegen auf halbem Weg zwischen Schweden und Finnland. Die Åland-Inseln sind ein aus über 6’000 Inseln bestehender Archipel. Bis 1814 gehörten die Åland-Inseln zu Schweden, dann fielen sie zu Russland. Heute gehören die Åland-Inseln offiziell zu Finnland, geniessen jedoch einen autonomen Status. Als schwedischsprachige Region Finnlands besitzen sie eine eigene Regierung, Flagge und ein eigenes Parlament, sind demilitarisiert und Mitglied der EU. Nach dem Hissen des Ankers und kurzem Slalom zwischen ein paar Schären geht’s auf offenem Meer mit einem Amwindkurs bis zur alten Lotseninsel Kobba Klintar vor Mariehamn. Meist Wind aus SE mit +/- 10kn. Das Wasser ist flach und das Grosssegel und die Genua ziehen mich mit maximalem Tempo rüber. Die Sicht ist diesig und im Vergleich zum Vortag ist es richtig frisch. Die Sonne kommt nie zum Vorschein. Ich trage seit langem wieder warme Segelklamotten. Um 14:20 Uhr lege ich in Kobba Klintar an. Kobba Klintar liegt an der Schifffahrtsroute nach Mariehamn. Kobba Klintar ist ein beliebtes Ausflugsziel von Mariehamn. Davon ist heute nichts zu spüren: Es ist kein Boot im Hafen und niemand auf der Insel. Nur kahle Felsen, Möwengeschrei und gluckerndes Wasser. Sehr friedlich hier – ich bleibe gleich über Nacht. Eigentlich plante ich nur einen kurzen Stopp auf dem Weg nach Mariehamn West. Ich liege windabgewandt gut geschützt längsseits. Zum Essen habe ich noch die Resten von gestern, so ist der Einkauf nicht dringend. Ich spaziere lieber über die Insel, die ich heute Abend ganz für mich habe. Zwischen 2002 und 2007 errichtete der Künstler Juha Pykäläinen mehrere Kunstwerke. Auf dem Balkon des Lotsenhauses steht z.B. ein hölzerner Lotse mit Fernrohr und auf einem Felsen trohnt ein Mahler mit einer Katze. Gestaunt habe ich über die Zeit. Die Åland-Inseln haben nämlich wie Finnland eine Stunde Zeitverschiebung. Auch die Währung ist hier wieder EUR.

Hafengebühren: EUR 00.- (kein Strom und Wasser, es hat eine (geschlossene) Toilette, kein WLAN)

Log: 24.8 sm


 

Mariehamn, Åland-Inseln: Fr, 12. Juni bis S0, 14. Juni 2026

In der Nacht hat es noch geregnet und der Wind drehte auf West. Ich liege trotzdem weiter ruhig hinter der Mohle. Am Morgen überraschend sonniges Wetter. Mit Halbwindkurs bin ich in 1.5 Stunden mit der Genua von Kobba Klintar im Mariehamn Westhafen (ÅSS). Um 10:30 Uhr lege ich mit Heckboje an. Meine Nachbarn sind die Nachbarn aus Sandhamn mit der hölzernen Vindö 32 (SY Jan: Katih und Jörg). Anschliessend ein Spaziergang durch die Stadt. Auch hier ist es noch sehr ruhig – ich wiederhole mich glaub jeden Tag: Heute ist aber Freitag, Mariehamn ist die Hauptstadt der Ålands und in einer Woche ist Midsommar. Wichtig war nach den letzten Tagen in Naturhäfen: Duschen und Einkaufen. Auf dem Weg ins Zentrum gibt’s einen guten Supermarkt (Mathis Hallen). Hier habe ich ordentlich zugeschlagen und frische Früchte und Gemüse gekauft. Zum Mittagessen gab’s bei «Mi Gusta» ein Burger mit Pommes. Es war lecker und schön mal eine geschlossene Bordküche zu haben. Von 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr ist die Sauna eingeheizt. Ein weiterer Luxus dieses Tages. Für die EUR 41.- Hafengeld bietet die Marina tadellose Einrichtungen. EUR 41.- ist ein Einheits- und Vorsaisontarif. Den Osthafen habe ich auch angeschaut. Es ist eine grosse Marina. Man liegt zwischen Pfählen. Hier im Osthafen ist es mit dem Wald bedeutend idyllischer und der Schoner „Pommern“ im Hintergrund ist natürlich auch imposant. Die 100 m lange Viermastbark „Pommern“ ist einer der legendären „Flying P-Liner“ der Hamburger Reederei F. Laeisz. Die 1903 in Glasgow gebaute Stahlbark ist eines von heute vier erhaltenen Schiffen dieser Serie. Anfang der 20er Jahre wurde sie vom Schiffseigentümer Gustaf Erikson in Mariehamn gekauft, der damals die grösste Segelflotte der Welt besass. Die Pommern segelte auf der sogenannten Weizenstrecke zwischen England und Australien. Bis 1939 war das Segelschiff in Betrieb, seit den 50er Jahren dient die Pommern als Museumsschiff und liegt hier im Westhafen fest verankert. Gemäss Hafenbuch ist der Westhafen sogar günstiger als der Osthafen. In der Sauna dann interessante Gespräche über die Finnischen Schären mit einem Segler aus Tampere. Informationen aus erster Hand sind einfach immer die Besten. Einen Tag später treffe ich ihn wieder in der Stadt; er hat nur in den Westhafen gewechselt. Im Moment ist sehr unklar wie es weitergeht. Am Samstag mache ich trotz bestem Segelwetter einen Ruhetag. Im Hafen trainieren vier J70 des lokalen Segelclubs. Für Sonntag ist starker Wind und Regen angesagt, so «geniesse» ich die Annehmlichkeiten der Stadt und des Hafens. Ich lasse den Tag ruhig angehen und hole nach einer schlaflosen Nacht viel Schlaf nach. Am Nachmittag spielt in der Stadt schöne Livemusik. Leider mit nur wenig Publikum für die Künstler. Bei kühlem Wetter gab es trotzdem ein Glace. Die Stadt ist erneut sehr ruhig, vereinzelt ein paar friedliche Fussballfans. Im nahen Stadion Wiklöf Holding Arena spielte um 19:00 Uhr IFK Mariehamn gegen Gnistan, ein Club aus Helsinki. Beide Teams sind aktuell am Tabellenende der ersten Finnischen Liga. Mariehamn verliert 0:3. 2016 wurde Mariehamn sogar finnischer Meister. Das Stadion ist sehr klein, eigentlich nur eine Haupttribüne, doch viele Fans pilgern hin. Scheinbar ist der Match die Samstagabend-Attraktion der Stadt. Die Stimmung beim Stadion ist sehr friedlich und familiär. Da der Eintritt EUR 25.- kostete, habe ich mir das Spiel dann doch nicht angeschaut. 90 Minuten Fussball ist mir dann doch zu viel. Ich ging lieber erneut in die Sauna. Auch die Schweiz spielt am Abend an der Fussball WM gegen Quatar nur 1:1. Auch das interessierte mich nicht wirklich und ich hörte das Resultat erst am Morgen im Radio. Der Sonntag wird ein weiterer Hafentag. Regen und Wind sind weniger stark als erwartet. Am Abend noch ein Pubbesuch mit Jörg im Pub neben dem Restaurant Indigo. Schön war’s.

Hafengebühren: EUR 41.- (alles inkl., auch eine schöne Sauna)

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