Etappe 3: Über die Höga Kusten nach Töre:

Diese Etappe führt mich zum nördlichsten ersegelbaren Punkt der Ostsee: Die gelbe Tonne von Töre.

 

Grisslehamn Fiskehamn: Mo, 15. Juni 2026

Es geht heute zurück an die Schwedische Ostküste. Um 09:30 Uhr lege ich ab. Mit leichtem NE-Wind segle ich mit achterlichem Wind aus dem Fahrwasser von Mariehamn. Mit Kurs 267 Grad setze ich um 11:00 Uhr den Spi für die folgenden 30sm. Der Wind nimmt stets zu und er dreht langsam auf N. Ich wechsle auf die Genua, die ich immer mehr einrollen muss. Mit sehr gutem Speed geht’s gut vorwärts, teils zeigen die Geräte sogar über 6kn. Inzwischen ist es aber einiges kühler geworden und leichter Regen setzte ein. Ich sitze meist trocken und geschützt beim Niedergang unter der Sprayhood. Es ist kaum Verkehr und der Autopilot verrichtet beste Arbeit. Als ich mich dem Hafen nähere, dreht die Eckerö-Fähre gerade vor dem Hafen und nimmt Kurs zu Alandinseln auf. Ich habe nun freie Fahrt in den Hafen. Man liegt hier auch an Heckbojen. Ich bin heute der einzige Gastlieger. Der Hafenservice macht nicht wirklich Freude. Es gibt eine Toilette und eine Dusche. Für SEK 385.- einbisschen mager, aber es ist halt nur ein Fischerhafen. Der Fährterminal stört nicht. Im Ort gibt es mehrere Restaurants und einen ICA-Supermarkt. Der Marina-Hafen bietet bisschen mehr; dafür hat man dort eine umständlichere Zufahrt und macht einige Meilen Umweg. Bei diesem Regenwetter kommt auch dort keine Atmosphäre auf. Der Marina-Hafen ist ebenfalls menschenleer. Mit Heizung ist es im Schiff schön warm.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 385.- (CHF 33.80), inkl. Strom (nur 12A: Kaffeekocher haut die Sicherung raus) und Wasser; WLAN von der Fähre. 

Log: 34.36 sm


 

Öregrund: Di, 17. Juni bis Fr, 19. Juni 2026

In der Nacht und am Morgen hat es stark geregnet und es war kalt. Die lief Heizung permanent. Das Schiff war um 11:00 Uhr immer noch nach. Ich beschloss trotzdem auszulaufen, denn hier ist kein gemütlicher Platz. Es ist starker Wind aus NW. Vorwind ging’s aus dem Hafen, dann eine Kreuz bis vor den Hafen Öregrund. Öregrund liegt für mich genau in Windrichtung, soll aber ein schöner Hafen sein. Öregund liegt am oberen Ende der Küstenregion Roslagen, die sich über etwa 150 Kilometer von Stockholm nach Norden erstreckt. Das Hafenstädtchen Öregrund mit rund 1.600 Einwohnern ist eine Schärenidylle mit einem geschäftigen Hafen, Buchten, Meerblick und Inseln in unmittelbarer Umgebung. Der Ort muste im Laufe seiner über 500-jährigen Geschichte einige Schicksalsschläge wegstecken: 1652 abgebrannt, 1719 von Russen geplündert – das alles sieht man heute nicht mehr. Es überwiegt die Erinnerung an die Zeit um 1885, als Leute aus Stockholm und Uppsala das Küstenstädtchen für sich entdeckten und verzierte Sommerhäuser aufstellten. Eine Weile war Öregrund der beliebteste Kurort an der schwedischen Ostküste. Es war strenges Segeln bis Öregrund. Die ersten Meilen waren noch trocken, dann Nieselregen mit schlechter Sicht und zum Schluss endlich bisschen Sonne. Unterwegs wenig Verkehr, nur ein Frachter und drei Segelboote. Zwei unter Motor und eines mit Vorwind nur mit Genua. Mit dem Reff 1 waren die 15-20kn problemlos zu segeln. Einzig die Wellen mochte der Autopilot nicht, so dass er mehrfach aus der Halterung fiel. Ich musste also mehrheitlich selber steuern. Die knapp 25sm wurden mit unzähligen Wenden in der Skärgard-Route zum Schluss doch 35sm. Nach einem schnellen Abendessen ging’s sofort müde ins Bett. Am Morgen endlich wieder einmal Sonne und Temperaturen für T-Shirt und Short. Öregrund hat einige schöne Spazierwege – vom Hafen im Zentrum bis zu den Pfaden, im Erholungsgebiet Tallparken. Wahrscheinlich bleibe ich bis am Wochenende hier. Am Freitag und Samstag ist Midsommar. Midsommar wird in Schweden jedes Jahr rund um die Sommersonnenwende (längster Tag am 21. Juni) und gehört zu den wichtigsten Traditionen des Landes. In Nordeuropa wird Midsommar mit Feuern, Musik und besonderen Speisen gefeiert. Seit dem späten Mittelalter stellen die Schweden auch eine Art Maibaum auf, den sie mit Zweigen und Blumen umwickeln und um den sie tanzen. Das möchte ich doch gerne einmal miterleben, daher bleibe ich bis Samstag. Am Donnerstag war ein ruhiger Boots- und Hafentag. Ich habe den Tackling am Spibaum geflickt und die Navigations-App Skippo heruntergeladen. Die Karten gefallen mir sehr gut und mit dem Zusatz Havenguiden erhalte ich gute Informationen zu den Häfen hier nördlich von Arholma und in Finnland. Die Kosten sind moderat (CHF 40.-). Ich spare mir nun dafür die SEK 75.- für den Strom und koche mir das Kaffeewasser in der Waschküche. Sonst brauche ich gar keinen Strom. Mit dem Solarpanel ist die Batterie stets gut geladen. Die Heizung brauche ich im Moment auch nicht mehr. Am Abend wieder Omnia-Küche auf dem Dieselherd. Am Freitag ist um 15:00 Uhr die traditionelle Midsummar-Feier beim Schifffahrtsmuseum. Mit Musik wird der Baum gestellt und getanzt. Nach 45 Minuten ist der Spuk bereits vorbei. Ich gehe noch zum Thai Essen. Die drei Tipps der Hafenmeisterin haben sich bewährt: Wanderung dem Meer entlang zum Erholungsgebiet, Midsummar-Feier und das Thai-Restaurant zum Essen. Vielen Dank! Die Hälfte der Plätze im Hafen sind immer noch nicht besetzt. Am Abend dröhnt im Hafen aus den Baren und Restaurants laute Musik; zu später Stunde sind v.a. die Teanagers unterwegs. Ab zwei Uhr ist es zum Schlafen zum Glück auch wieder ruhig.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 300.- + Strom 75.- (CHF 33.- + CHF  6.25), kein WLAN

 Log: 35.07 sm


 

Mellanfjärden: Sa, 20. Juni und S0, 21. Juni 2026

Ich bin früh wach, resp. ich konnte kaum schlafen. Dunkel wird es hier praktisch nicht mehr. Ich nutze den Südwind und lege bereits um 03:30 Uhr ab. Ziel ist es soweit wie möglich nordwärds zu kommen. Denn schon morgen soll der Wind glaub wieder auf Nord drehen. Auch die Temperaturen sind herrlich sommerlich bei über 20 Grad. Ich starte mit leichtem Wind. Sobald ich von der Küste frei bin, setze ich den Spi und mache Frühstück. Die ersten fünf Stunden habe ich den Spi oben. Bei leichtem Wind komme ich gut voran. Dann wurde der Wind stärker und drehte leicht auf West. Der Spi kommt runter und mit der Genua geht’s gemütlich und schnell weiter. Am frühen Nachmittag entschied ich mich nicht die Insel Storjungfrun anzulaufen, sondern den guten Wind zu nutzen und weiter nördlich zu segeln. Dadurch konnte ich mehr abfallen und die Genua ausbaumen. Mit Schmetterling ging’s bei nun 15kn Wind rasch voran. Am späten Nachmittag frischte der Wind noch mehr auf und war nun meist bei 20kn. Hier hatte ich die höchste Geschwindigkeit mit 9.22kn Fahrt durch’s Wasser, über Grund noch mehr. Die Meilen burzeln heute wie sonst auf einem Racer. Mein zweites Ziel Hölick passiere ich ebenfalls. Mellanfjärden soll laut Hafenbuch schöner sein und v.a. weiter. Das dies bereits 100sm sind, habe ich bei meiner spontanen Navigation nicht voll realisiert. Nach 18:00 Uhr habe ich das Grosssegel geborgen, denn die Müdigkeit der fast schlaflosen Nacht setzte ein und ich wollte einbisschen sicherer unterwegs sein. Ich war mit Volltuch bei diesen Wellen und Wind am Limit. Leider wollte es später auch der Wind gemütlicher haben und flaute bisschen ab. Das Grosssegel kommt wieder hoch; für den Spibaum war ich zu faul. Knapp vor drei Uhr bin ich bei Mellanfjärden. Die letzten acht Meilen musste ich mir aber noch verdienen: Es war plötzlich starker Gewitterwind aus NW. Für einen kurzen Moment unheimlich. Sofort habe ich die Genua eingerollt. Da der Hafen nun nur noch mit einer Kreuz zu schaffen war, habe ich den Motor gestartet. Nach 30 Minuten war der Spuk vorbei und ich hatte wieder einen schönen Anlieger mit Volltuch vor den Hafen. Die SXK-Boje in der Ankerbucht ist leider besetzt und so gehe ich doch zum Hafen und lege an Heckboje an. Nach 102sm falle ich müde ins Bett. Der Folgetag ist ein Hafentag mit langem ausschlafen und Routenplanung für die nächsten Tage. Strom gibt es leider nicht mit dem üblichen Stecker. Jetzt könnte ich den Schuko-Adapter zum Bordkabel brauchen, doch habe ich leider in Kappeln im Auto gelassen, da ich ihn bisher nie gebraucht habe – immer das gleiche. Mit meinen Steckdosenleisten und Verlängerungskabeln und einem Schuko-Adapter schaffe ich es doch noch von der nahen Säule Strom zu bekommen. Ohne Regen ging’s für den Moment, v.a. die Kühlbox brauchte mal wieder mal Abkühlung. Beim Abstecken fällt mir der Schuko-Adapter natürlich ins Wasser. Ich habe nun einfach die Erdung an einem kurzen Verlängerungskabel abgeschnitten und so geht’s bei Bedarf auch wieder, v.a. für Teewasser, wenn ich keinen Bordstrom habe. Die Schweizer Stecker sind im Ausland einfach ein Murx. Am Nachmittag legt neben mir eine schnelle Arcona 40 aus Kiel an. Sie waren bereits in Öregund am gleichen Steg. Dort haben sie am Midsommertag früh abgelegt; natürlich standesgemäss mit abdecken der schwarzen Segel, etc. Ich glaube sie waren sehr erstaunt, dass der kleine Schweizer schon vor ihnen hier ist. Sie bleiben auf jeden Fall wortkarg.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 220.- (CHF 18.35, Strom extra SEK 50.-, CHF 4.20), kein WLAN, auch schwacher Handyempfang

Log: 102.26 sm


 

Lustholmen: Mo, 22. Juni und Di, 23. Juni 2026

Von Öregrund bis Höhe Sundsvall war die Küste flach. Bei Härnösand beginnt die „Hohe Küste“ (Höga Kusta; Länge 45 sm). Hügel von etwa 250m reichen direkt zum Wasser. Höga Kusta gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Landschaftlich ruft der vielleicht der schönste Teil Ostschwedens. Während der Eiszeit drückte ein 3km hoher Eisschild die Region um 800m nach unten. In den letzten 10’000 Jahren ist das Land um über 400m angestiegen und hat bis heute die stärkste Landhebung der Welt. Derzeit steigt das Land jährlich um 9mm an. Nach 07:00 Uhr lege ich ab. Noch im Hafen setze ich das Grossegel und mit Vorwind geht’s aus dem Fahrwasser. Bei leichtem Wind aus West geht es gemütlich auf einen Halbwindkurs. Der Wind nimmt stetig zu und kommt ablandig und sehr böig. Die ersten knapp 20sm war ich mit Volltuch unterwegs. Dann widererwarten und entgegen den Prognosen nimmt der Wind stärker zu. Ich rolle zuerst die Genua bisschen ein, dann setze ich ein Reff 1 ins Grosssegel. Zwischen der Insel Brämön und der Halbinsel Björkön schien sich die Sache am Himmel wieder zu beruhigen und ich reffte wieder aus. Am frühen Nachmittag drehte der Wind dann plötzlich rasch stark auf; zuerst im Bereich 15kn, dann 20kn, dann 25kn mit Böen mit über 30 kn (ca. 33 kn). Das soll gemäss Meteo (Windfinder) heute ein gemütlicher Segeltag sein! Eine solche Fehlprognose bez. Stärke und Richtung habe ich glaub noch nie erlebt; ich hatte allerdings auch nur den Wetterbericht vom Abend konsultiert. Als der Wind seine Höchstwerte erreichte war ich nur noch mit eingerollter Genua unterwegs. Das Tempo hier immer noch 6kn und mehr. Meine Planung für den Tag war bisschen mangelhaft. Ich dachte, ich habe dann unterwegs genug Zeit dafür. So peilte ich als Hafen Härnösand an. Das sind etwa 50sm und es gibt gemäss Hafenbuch drei Häfen. Sundsvall habe ich bereits passiert. Bei der Barke Härnö überholte mich das grosse schöne deutsche Vollmahagoniboot (Barlavento) aus Öregrund. Nach einem kurzen Versuch auf der Kreuz motorte es in Richtung Lustholmen. Ich setzte das Grossegel wieder und kreuzte ebenfalls nach Lustholmen. Sie werden auf ihrem gemütlichen Boot bestimmt einen guten Hafen ausgewählt haben, dachte ich mir. Auf der Kreuz waren es „nur „noch knapp über 20 kn. Als ich den Hafen erreichte, kam das schöne Holzboot wieder aus dem Hafen raus. Wahrscheinlich haben sie keinen guten Platz gefunden und fahren weiter nach Härnösand. Ich fahre trotzdem rein und finde gut Platz. Ich möchte nicht tauschen und auf keinen Fall in einem grossen edlen Vollmahagoni-Boot in einem Industriehafen nächtigen. Hier erneut Anlegen mit Heckboje. Ein traumhafter Ort mit bestem Service (Strom, WLAN, Dusche, Sauna). Ich bin in den Höga Kusten angekommen. Die beiden schnelleren Stegnachbarn aus Mellanfjärden sind auch da (Anne Bonny und Freja 2). Die Skippo-Karten-App funktioniert mit allen Funktionen und Hafenguide leider nur auf einem Gerät. Da ich mein Tablett für WLAN mit meinem Handy verbinden muss, ist dies bei solch rauen Bedingungen unmöglich. Der Autopilot hat es bei den Windspitzen nicht mehr geschafft zuverlässig zu steuern, resp. er fiel permanent von der Halterung. So kann ich unter Deck nicht lange an Geräten rumdoktern; da fehlt mir einfach der Decksalon. Im Hafen habe ich nun das Handy zum Hauptgerät gemacht und so komme ich nun auch an Deck zu den wichtigen Hafeninformationen. Heute bleibe ich glaub hier – zu schön ist es und zu müde bin ich. Und dem Ziel der gelben Tonne von Töre bin ich schon „recht“ nah. Der Dienstag ist ein Hafentag. Es ist kühler und hier im Hafen ist kaum Wind. Ich mache meine Törnplanung bis Haparanda.

Hafengebühren: SEK 280.- (CHF 23.35, inkl. Strom, Wasser), super WLAN

Log: 53.91 sm


 

Mjälton: Mi, 24. Juni 2026

Ich bin um 05:15 Uhr früh los. Es ist noch kein Wind; so ging’s meist unter Motor langsam den Sanna-Sundet hoch Richtung Nord. Meist ist man in Waldabeckung. Ab 10:00 Uhr bin ich aus der Windabdeckung des Sundet raus und es geht hoch am Wind bei Wind aus Ost ganz langsam voran. Nach dem Mittag kommt dann bei SE-Wind der Spi hoch; die Meilen burzeln endlich. Um 14:30 Uhr bin ich in der schönen Bucht Mjälton. Hier hat es vier Stege und man kann mit Heckanker anlegen. Ein Boot liegt noch vor Anker.  Nach der Ankunft hab ich gerade die 2.1km langen Wanderung auf den höchsten Berg (Bastutoberger) auf einer Schwedischen Berg in Angriff genommen. Auf 200m angekommen hat man einen herrlichen Weitblick über die Höga Kusten. Bestes Wetter und ein kühler Wind. Oben legt man nach alter Tradition seinen mitgebrachten Stein auf den Steinhaufen. Am Abend geht es ausgepowert früh in die Koje.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 50 .- (Geld in Briefkasten oder als Schwede mit Swish), kein Service, kein WLAN)

Log: 29.39 sm


 

Holmsund Patholmsviken Batklubb: Do, 25. Juni 2026

Auch heute ist wieder früh tagwach und Ablegen um 06:00 Uhr.  Am Mogren erneut wenig Wind. Dann frischt der Westwind auf und es geht mit Halbwind oder später mit achterlichem Wind gut voran. Kurz vor 19:00 Uhr habe ich die 62 Meilen geschafft und so bin ich wieder ein rechtes Stück nordwärts gekommen. Die Höga Kusten sind vorbei und es wird wieder flacher am Ufer. Auch auf dem Meer wird es flacher und man muss teils vorsichtig navigieren. Häufig hat’s auch grosse Industrie – weniger schön. Ich verpasse  beim raschen vorbeifahren nicht viel. Auch hier bei der Hafeneinfahrt von Holmsund viel Industrie. In Holmsund kann ich längsseits anlegen. Es hat nur wenige Boote; sonst wären es Heckbojen. Ich mache mich anschliessend grad auf in den 30 Minuten entfernten Coop für Einkäufe. Es gäbe hier auch gleich eine Tankstelle. Holmsund ist ein langweiliger Vorort vom 15km entfernten Umeå. 1888 ist Umeå abgebrannt und ein grosser Teil der Stadt wurde zerstörrt. Im Zuge des Wiederaufbaus wurden den Strassen entlang Birken gepflanzt, was Umeå den Beinamen «Stadt der Birken» einbrachte. Morgen geht’s mit West- oder Südwestwind weiter in Richtung Luleå. Der Segelclub selber hat viel Charme: es gibt einen schönen Aufenthaltsraum, Küche, WC, Duschen, Sauna, Grill, Bücher, Spiele und vieles mehr. Ein guter Platz für einen kurzen Zwischenstopp; sonst werden die Distanzen hier ganz schön lang.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 250.- (CHF 21.55, inkl. alles, kein WLAN)

Log: 62.62 sm


 

Töre: Fr, 26. Juni und Sa, 27. Juni 2026

Gestern hab ich mir noch ein spätes Abendessen gekocht. Seit Tagen mal wieder ein Stück Fleisch. Im Supermarkt gibt es jeweils nur grosse Packungen. Die Schweden schmeissen glaub halbe Kühe auf den Grill. Einzig das edle Fleisch gibt es in einer kleinen Packung – das gönnte ich mir heute. In den letzten Tagen gab’s meistens Salat. Das Frühstück fiehl daher schnell aus. Mit Vorwind ging’s aus dem Hafen und Slalom durch die Untiefen. Zum Schluss hat mir noch eine Robbe zugeschaut. Als ich aus den Untiefen raus war, kam der Spi hoch. Es hat leichten Wind aus West. Ich mache so fast meine 5kn Speed. Nach dem Mittag nimmt der Wind wieder zu. Der Spi kommt runter und ich baume die Genua aus. Der Wind kommt nun mehr aus Süd und brist wieder auf 15-20kn auf. Heute gibt’s Meilen für free und ich schlage gross zu. Die angepeilten Häfen Byviken (25sm), Ratan (35sm), Sikeå (55sm), Bjuroklubb (75sm) lasse ich links liegen. Zuerst war mein neues Ziel Luleå. Gemäss Hafenbuch und Berichten anderer Segler ist Luleå aber nicht besonders sehenswert. Daher peile ich nun direkt die gelbe Tonne von Töre an. Essen habe ich ja jetzt wieder genug an Bord. Hinter mir die ganze Meute des MidsummerSails. Der schnellste grosse Katamaran ist in Rekordzeit schon da und brauchte für die 900sm von Wismar bis Töre nur 4 Tage 14 Stunden 25 Minuten und 39 Sekunden. Ich brauchte ab Kappeln fast zwei Monate. Dafür inkl. vielen Abenteuern und schönen Landgängen. Gegen 23:00 Uhr überholen mich bereits die schnellsten der Ragatta von hinten. Am Abend nimmt der Wind wie immer ab; es geht aber immer noch mit 4-5kn voran. Es ist eine wunderschöne Nacht und es bleibt immer hell. Die Sonne geht nur schnell unter, bevor sie grad wieder aufgeht. Die Nacht war sehr kühl. Ich habe mehrere Schichten Kleider an und bin meistens unter Deck. Am Morgen dreht der Wind auf West. Der Kurs ist nun fast schon Halbwind. Im Laufe des Tages nimmer der Wind erneut wieder zu. Es ist seit Tagen das gleiche Muster. Die lezten Meilen nach Töre waren Amwind und Kreuz und verlangten mir bei böigem Starkwind viel Konzentration und Energie ab. Das Fahrwasser ist eng und ausserhalb lauern immer wieder Untiefen und Steine. Trotz Müdigkeit wollte ich mir keinen Fehler erlauben. Um 17:30 Uhr lege ich mich nach 156.80 sm ins Päcklein mit einer schnellen Pogo 30. Ich bin froh, dass ich noch einen Platz gefunden habe und ich mir nicht noch eine Ankerbucht suchen musste. Es liegen bereits viele grosse Boote und drei Trimarane im Päcklein. Es ist aber recht ruhig, alle scheinen von der Regatta müde zu sein. Ich habe mein grosses Ziel erreicht: Die gelbe Tonne von Törre, den nördlichsten Punkt der Ostsee. Am Abend ist herrliches Sommerwetter und der Wind flaut erneut  ab. Zur Stärkung gibt’s Pasta und es geht früh in die Koje. Mit der windstillen Nacht kommen kaum neue Boote an. Nur einzelne Boote feiern ihre Ankunft euphorisch. 

Hafengebühren (alle Boote): SEK ?

Log: 156.80 sm


 

Haparanda Hamn: So, 28. Juni bis Mi, 30. Juni 2026

Am Morgen lege ich früh ab. Ich möchte dem Trubel der Regatta hier schnell entfliehen. Es werden im Verlaufe des Tages bestimmt noch viele Boote eintreffen. Bei wenig Wind motore ich los. Der Wind hat auf SE gedreht, so dass es meist sowieso wieder gegen an ist. In der Früh überholt mich von hinten die grosse Hallberg-Rassy 62 aus Göteborg; sie hat ebenfalls abgelegt und der Regatta viel Platz gemacht. Es kommen mir nur zwei Boote der Regatta mit Spi entgegen. Am späteren Morgen briest der Wind auf und ich komme auf Amwindkurs gut voran. Am Nachmittag kurz Flaute und Regen. Es ist inzwischen kühler geworden und ich kämpfe bisschen mit Müdigkeit. Anschliessend drehte der Wind auf West und ich komme doch noch gut bis vor den Hafen. Kurz vor 19:00 kann ich längsseits anlegen. Es ist nur ein Finnisches Motorboot aus Kemi als Gastboot hier. Ich bleibe für drei Nächte. Am Montag nehme ich um 09:25 den Bus in das 18 km entfernte Haparanda. Haparanda ist eine Grenzstadt und liegt an der Mündung des Flusses Torneälv. Auf der gegenüberliegenden Flussseite liegt das finnische Tornio. Heute sind Haparanda und Tornio so zusammengewachsen, dass man sie – trotz der Landesgrenze – als eine einzige Stadt betrachten kann. Haparanda hat mir deutlich besser gefallen und hat mehr Charme. Es gibt einen schönen Fussweg dem Ufer des Torneälv entlang. Ein kleiner Sandstrand oder ein schmuckes Minigolf laden zum verweilen ein. Die Fussgängerbrücke über den Fluss ist links und rechts in den jeweiligen Landesfarben gestrichen. Ich bin nun das erstmal in Finnland. Das Boot hat es leider noch nicht geschafft. Direkt bei der Busstation ist ein grosser IKEA. Er ist Schwedens nördlichstes IKEA Warenhaus. Es ist sogar das weltweit nördlichste Warenhaus. Hier esse ich Köttbullar zum Mittag. Leider hat es sehr viele Leute und ich muss lange anstehen – ein grosser Fehler. Viele Camper nutzen den kostenlosen Parkplatz von IKEA als Stell- und Parkplatz. Fika dann aber in einer netten gemütlichen Konditorei. In der Nähe der Bushaltestelle hat es einen grossen Coop für Einkäufe. In Tornio hat es sogar ein grosses Shopping-Center. Um 17:15 Uhr nehme ich den letzten Bus zurück zum Hafen. Der Bus fährt nur viermal täglich. Den Dienstag bleibe ich ebenfalls noch hier. Es wäre zwar schöner Westwind und gutes Wetter um wieder südlich zu kommen. Am Morgen sitzen an meinem Steg alle paar Meter Fischer. Scheinbar ein Wettfischen. Auf Pfiff wechseln sie dann die Plätze. Ich brauche eine Segelpause und nutze den Tag für Wäsche waschen, Routenplanung, kochen und eine kleine Segelreparatur. Bei den Salingen hat es vom vielen Vorwind Segeln ein kleines Loch im Grosssegel geben. Kein Drama, nur kurz abkleben. Nach knapp 5’000 Meilen ist  das Segel sonst immer noch in gutem Zustand. Auch das Fenster im Genua ist inzwischen sehr brüchig und muss immer wieder geklebt werden. Dieses Fenster ist absolut unnötig – die neue Genua wird kein Fenster mehr haben. Das Clubhaus ist sehr heimelig und es lassen sich hier problemlos mehrere Tage verbringen. Es gibt eine voll ausgerüstete Küche, viele Tische und im Keller eine Waschmaschine. Im Keller wurde gerade eine neue Bodenheizung verlegt. Die Sauna ist daher nicht in Betrieb, resp. wird ebenfalls neu. In der Segelstube habe ich ebenfalls einen Clubstander aufgehängt; es ist eine schöne Tradition hier seinen Clubstander hinzuhängen. Ich habe vom Vorbesitzer einen CCS-Stander dabei – hier bin ich ja auch sehr passives Mitglied. Der Stander hängt nun schön an der Wand. Für SEK 100.- habe ich einen vom Båtklubben Bothnia bekommen. Der wird dann zu Hause als Andenken an diesen Törn seinen schönen Platz bekommen. Für mich ist Haparanda ein schönes Törnziel. Es ist wirklich gut gegangen bis hier her. Der Wind und das Wetter meinten  es meist auch wirklich gut mit mir. Es wäre sicher schön mal im Winter herzukommen. Auf der Busfahrt habe mir Einheimische davon erzählt. Haparanda ist nicht mehr weit vom Polarkreis. Als Polarkreis bezeichnet man die zwei besonderen Breitengrade der Erde auf 66° 33′ 55″ nördlicher und südlicher Breite. Sie markieren die Grenze zu den Polarregionen (Arktis und Antarktis). An diesen Linien geht die Sonne an den Tagen der Sonnenwende gerade nicht mehr unter bzw. auf. Haparanda liegt auf dem 65. Breitengrad (genauer gesagt auf 65° 50′ 24″ nördlicher Breite). Jetzt geht’s ab morgen langsam wieder heimwärts. Erstmals möchte ich der finnischen Küste entlang südwärts segeln.

Hafengebühren (alle Boote): SEK 200.- (CHF 17.25, inkl. Strom, Wasser, Dusche, WLAN im Clubhaus), Waschmaschine SEK 20.-

Log: 44.11 sm


 

Weitere mögliche Stopps am Botnischen Meerbusen (SWE):

  • Häggvik
  • Bönhamn
  • Ulvöhamn
  • Trysunda
  • Skagshamn
  • Norrbyskar
  • Byviken
  • Ratan
  • Bjuroklubb
  • Burea
  • Pitea Haraholmen
  • Lulea Ettans
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