Etappe 5: Baltische Länder

Gute Informationen zu den Baltischen Ländern Estland, Lettland und Littauen findet man hier online. Eine grosse Hilfe sind auch die beiden Hafenhandbücher die mir Kalevi – ein finnischer Segler – im Hafen Naissaare gegeben hat. Das Buch „Sail in Estonia and Latvia ist hier als PDF erhältlich. Das Hafenbuch „South Coast Baltic“ ist hier online. Kalevi segelt seit vielen Jahren im Baltikum und schreibt darüber Artikel in finnischen Yachtzeitschriften. Ein riesiges Glück für mich, dass ich Ihn im ersten baltischen Hafen getroffen habe. Das ist mir eine grosse Hilfe in der baltischen Törnplanung – vielen Dank. 

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Naissaare: Do, 30. Juli und 31. Juli 2026

Heute steht die Überfahrt nach Estland an. Um 07:00 Uhr habe ich im Hafen Jussarö abgelegt. Bis am Mittag war super SW-Wind und hatte bereits über 20sm hinter mir. Dann stellte der Wind ab und es war für knapp zwei Stunden komplette Flaute. Dann drehte der Wind auf NE und briste wieder leicht auf. Leider war dadurch meine Überhöhe vergebens; ich hatte mit auf West drehendem Wind gerechnet. Ich schaffte nicht mal mehr die nördliche Spitze von Naissaare, so fiel ich ab und segelte zur Südspitze der Insel. Auch hier flaute der Wind wieder ab und ich beschloss nun doch nicht nach Tallinn zu segeln und auf der näheren Insel Naissaar in der Tallinner Bucht Halt zu machen. Kurz vor 18:00 Uhr bin ich im Hafen von Naissaare. Es gibt noch einige freie Boxen. Ich legte mich ganz Aussen an einen Steg, da ich am Morgen gleich weiter nach Tallinn wollte. Mein Bootsnachbar mit einer Hellsmann Seniorita ist Kalevi ein finnischer Segler mit sehr viel Erfahrung im Baltikum. Er schenkt mir zwei Hafenbücher und gibt mir sehr viele nützliche Informationen zum Baltikum. Er gibt mir auch ein Magazin der Insel Hiiumaa, wo er für ein Interview abgebildet ist. Er beschreibt hier wie er 1991 mit 15 anderen Booten von seinem Club in Helsinki das erste Mal nach Estland segelte. Sowjetischen Kriegsschiffe eskortierten die 15 Segler damals in den Hafen. Ich blieb einen Tag auf der Insel und mietete mir ein Mountain Bike. Ich fuhr übe die Sandstrassen zum Leuchtturm im Norden und zum Dorf Männiku im Süden. Der Leuchtturm auf Naissaar gehörte über Jahrhunderte zu den wichtigsten Seezeichen für Schiffe im Finnischen Meerbusen. Die 19 Quadratkilometer grosse Insel wurde 1912 unter dem russischen Zaren militarisiert, wobei die ansässige Bevölkerung zur Umsiedlung gezwungen wurde. In der Folge entstanden Häfen, Eisenbahnanlagen und mehrere Küstengefechtsstationen, die Teil der Seefestung „Imperator Peter der Große“ wurden. Während des Ersten Weltkriegs und des nachfolgenden Freiheitskriegs befand sich auf der Insel auch ein Gefangenenlager. Nach der Unabhängigkeit Estlands war die Insel zwar Teil des Küstenschutzsystems, jedoch durfte die alteingesessene Bevölkerung zurückkehren. Während der sowjetischen Besatzung wurde die Insel vom Militär besetzt, es wurden ein Seeminendepot und ein Montagewerk errichtet. Auf Naissaar ist es immer noch möglich, Gebäude und selbst einige Ausrüstungsgegenstände zu besichtigen, die von der Sowjetarmee hinterlassen wurden. Am Abend gehe ich mit Kalevi noch einmal  nach Männiku Chili con Carne essen. Es ist nur eine kleine Waldbar. Fast die ganze Inselbevölkerung trifft sich im Laufe des Abends hier für das Abendessen und ein paar Drinks. Meine ersten Eindrücke von Estland sind sehr positiv und es gefällt mir sehr gut. 

Hafengebühren (8-10m): EUR 30.- (WC, Dusche, WLAN, kein Strom, Sauna extra)

Log: 39.05 sm


 

Tallinn Lennusadam (Seaplane Harbour): Sa, 1. August bis 3. August 2026

Von Naissare bin ich mit leichtem SW-Wind in zwei Stunden in Tallinn. Um 10:00 Uhr lege ich im Hafen Lennusadam an. Es gibt hier einige Gästeplätze in Boxen oder längsseits an den drei Stegköpfen. Ich bin froh, dass ich im Lennusadam Hafen angelegt habe. Dieser Hafen ist ruhig und zentral. Estland gehört zur EU, das Ein- und Ausklarieren entfällt. Der Nachbarhafen Noblesser ist auch gut, hier liegt man vor den schicken Restaurants aber unruhiger. Die ganz zentrale Old City Marina bei der Altstadt habe ich mit dem Fahrrad erkundet und sie hat mir nicht gefallen. Ich bleibe drei Tage in Tallinn. Es gibt unglaublich viel zu sehen und die Stadt gefällt mir sehr gut. Tallinn hat mir von allen Städten hier im Norden am besten gefallen. Tallinn ist die perfekte Stadt, wenn man den Komfort der modernen Welt mit einem Einblick in mittelalterliche Architektur verbinden will. Hier findet man eine vibrierende Startup-Szene inmitten kulturgeschichtlicher Schätze. Ein abwechslungsreiches Nachtleben in einer über Jahrhunderte gewachsenen historischen Umgebung. Tallinn wurde im frühen Mittelalter gegründet – heute bietet die Stadt eine aufregende Mischung aus Alt und Neu. Das Tolle: Da Tallinn so kompakt und grün ist, kann man in nur kurzer Zeit viel unternehmen und praktisch alles zu Fuss entdecken. Die Altstadt Tallinns ist eines der weltweit am besten erhaltenen Stadtzentren aus der Hansezeit. Nur einen Steinwurf ist das Geschäftszentrum der Stadt mit modernen Hochhäusern und Luxushotels, trendigen Stadtvierteln und grossen Einkaufszentren entfernt. Interessante Quartiere sind das Rotermann-Viertel. Ein ultra-modernes Fussgängerviertel direkt zwischen Altstadt und Passagierhafen. Hier trifft historische Backstein-Industriearchitektur auf futuristisches Design, ergänzt durch Boutiquen, Restaurants und das Pop-Art-Museum PoCo. Die kreativen Hipster-Viertel Kalamaja und Telliskivi liegen nordwestlich der Altstadt. Sie sind bekannt für bunte Holzhäuser, alternative Cafés, Streetart und den Kreativcampus Telliskivi Loomelinnak mit Designläden und Märkten. Das Fotografiska Tallinn im Herzen des Kreativcampus Telliskivi ist ein tolles modernes Fotomuseum, in dem hochkarätige Ausstellungen und einzigartige Veranstaltungen aufeinandertreffen. Im Erdgeschoss befindet sich ein gemütliches Café, im fünften Stock ein Bar-Restaurant mit herrlichem Blick auf die Tallinner Altstadt. Die Altstadt ist ein lebendiges Geschichtsmuseum im Herzen der Stadt – ein authentischer und einzigartiger mittelalterlicher Stadtkern, dessen Kopfsteinpflasterstrassen, mächtige Stadtmauern und jahrhundertealte Gebäude Geschichten aus mehr als 800 Jahren erzählen. Das Besondere an der Altstadt ist ihre seltene Vollständigkeit und ihr gut erhaltener Zustand – hier gibt es nicht nur einzelne historische Gebäude, sondern ein ganzes Stadtbild, das seit dem Mittelalter als Ganzes bestehen geblieben ist. Aus diesem Grund wurde die Tallinner Altstadt 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Neben dem historischen und kulturellen Wert finden sich hier heute Boutiquen, Kunsthandwerksläden, Cafés und Restaurants. In der Altstadt hat es mehrere Aussichtsplattformen, von denen aus man einen schönen Blick auf die roten Dächer und die Silhouette der Stadt Tallinn geniessen kann. Im Wasserflugzeughafen Lennusadam bei meinem Hafen befindet sich eines der beeindruckendsten Seefahrtsmuseen Nordeuropas. In den historischen Wasserflugzeughangars sind fast 200 authentische Exponate ausgestellt, die die Geschichte der estnischen Seefahrt, der Schiffsindustrie und der Marine vermitteln. Hier kann man das U-Boot „Lembit“, den über hundert Jahre alten Eisbrecher „Suur Till“, das Wasserflugzeug „Short 184“ sowie das älteste bekannte Schiffswrack estnischer Herkunft sehen. Das Schiffswrack  der Vasa in Stockholm ist natürlich einiges imposanter. Gleich neben dem Wasserflugzeughafen liegt der Hafen Noblessner. Noblessner wurde 1912 begründet, als zwei Geschäftsleute aus St. Petersburg hier die bedeutendste U-Boot-Werft des russischen Zarenreichs errichteten. Nach der Unabhängigkeit Estlands wurde der Schiffbau bis 2018 fortgesetzt. Bis heute ist das historische Erscheinungsbild der Gegend erhalten geblieben, in der sich Industriearchitektur mit modernen Gebäuden und öffentlichen Bereichen vermischt. Das Hafenviertel Noblessner wurde als bestes Stadtentwicklungsprojekt des Baltikums ausgezeichnet. Die Promenade und der Yachthafen bieten einen idealen Ort für Spaziergänge, von wo aus man einen wunderschönen Blick auf die Bucht von Tallinn hat und unvergessliche Sonnenuntergänge genießen kann. Toll ist auch der Markt am Baltischen Bahnhof (Balti Jaam). Er ist ein einzigartiger Markt, auf dessen drei Stockwerken sich etwa 300 Händler befinden. Im Untergeschoss befinden sich ein Supermarkt, ein Sportklub und verschiedene Dienstleistungen, im Erdgeschoss liegen die grosse Fisch- und Fleischhalle, die Gemüsestrasse und ein vielfältiger Streetfood-Bereich mit etwa 20 verschiedenen Anbietern. Der erste Stock ist hauptsächlich estnischem Design und estnischer Handarbeit, Kleidung, Haushaltswaren und Antiquitäten gewidmet. Die Mission des Markts am Baltischen Bahnhof besteht in der Förderung einer gesunden und ausgeglichenen Ernährung, dem Wertschätzen sauberer und echter Lebensmittel und darin, die feine Kunst der Essenszubereitung in Ehren zu halten. Von Tallinn geht’s am Dienstag west- und heimwärts. Wie bisher bestimmt weiterhin der Wind die Reise.

Hafengebühren (8m Boot): EUR 40.- (WC, Strom, Dusche, Waschmaschine, Trockner, WLAN, Sauna)

Log: 39.05 sm


 

Dirhami: Di, 4. und Mi 5. August 2026

Heute lege ich ausgeruht von den letzten Hafentagen bereits um 06:30 Uhr ab. Mit gutem SW-Wind komme ich auf einem Amwindkurs meist nahe an der Küste gut vorwärts. Teils Strandwiesen, Sandstrände, Steilküsten oder Industrie und Windräder. Vor dem Hafen Lohusalo ist dann der Wind nach dem Mittag plötzlich eingeschlafen. So peilte ich von weitem den Hafen Lohusalo an. Als ich westlich wieder mehr Wind sah und die Boote westlich von Lohusalo auf dem AIS-Plotter auch wieder mehr Fahrt hatten, entschied ich mich, meinen Kurs fortzusetzen. So ging’s am Nachmittag mit guter Fahrt weiter. Kurz vor Dirhami liess am Abend der Wind nach und er drehte auch noch auf West. Mit einer mühsamen langen Kreuz schaffte ich es grad noch vor den Hafen. Knapp vor 20.00 Uhr (Lokalzeit 21:00 Uhr) wurde ich vom Hafenmeister in eine freie Box eingewiesen. Nach über 50sm habe ich schnell festgemacht. Ich schaffte es gerade noch auf eine schnelle kalte Küche und ein Bier im Hafenrestaurant. Ich bekomme noch eine kalte Randensuppe (Rote-Bete-Suppe, Kalter Borschtsch, Šaltibarščiai). Es ist eine pinke erfrischende Sommersuppe und schmeckt ausgezeichnet. Šaltibarščiai hat seinen Ursprung in der litauischen Küche. Vom Restaurant hat man einen schönen Ausblick auf’s Meer und man kann schöne Sonnenuntergänge geniessen. Wenige Fussminuten vom Hafen gibt es einen kleinen Dorfladen. Im Naturschutzgebiet könnte man bestimmt schöne Wanderungen machen. Ich bin froh, dass ich es heute mit gutem Wind und sommerlichem Wetter bis Dirhami geschafft habe. Lohasulo wäre zwar ein schöner Stopp gewesen; aber von hier habe ich mehr Optionen (Haapsalu, Kärdla auf der Insel Hiiumaa oder Svibey auf der Insel Vormsi). V.a. weil der Wind morgen wahrscheinlich eher schwach und drehend ist. In der Nacht hatte ich fast Angst, dass mein Nachbar auf seinem Motorsegler auch mein Mahagoni-Holz versagt, so laut hat es aus dem Nachbarboot geschnarcht. Am Mittwoch ist leider kompletter Ententeich, so dass ich die 25sm in einen neuen Hafen ohne Motor nicht schaffe. Die nächsten Tage soll es wieder windig sein. Gerne würde ich noch nach Riga (Lettland) segeln. Wenn ich mich ins Zeug lege, sollte dies mit einer rechtzeitigen Rückkehr grad noch drin liegen. Als Schüler spielte ich in Basel viel Volleyball. Über Weihnachten und Neujahr fand in Basel ein Internationales Volleyball-Turnier statt, das wir gerne schauten. Hier spielte zu Beginn immer ein Team aus Riga, das meistens gewann. Das war meine erste Erfahrung mit dem Baltikum; vorher waren mir diese Länder völlig unbekannt. Jetzt bin ich auf eigenem Kiel sogar schon weiter östlich als Riga.

Hafengebühren (6-9.99m Boote): EUR 30.- (WC, Strom, Dusche, gutes WLAN, keine Waschmaschine und Trockner, Sauna extra)

Log: 53.14 sm


 

Haapsalu Westmeri: Do, 6. August und Fr. 7. August 2026

Es hält mich nichts in Dirhami. Um 05:30 Uhr lege ich ab. Zum Glück habe ich gestern gesehen, dass mein Nachbarboot, ein Charter-Boot (Oceanis 38), dass am Abend spät noch angelegt hat, ihre Leinen über meinen Leinen am Poller festgemacht hat. Ein riesiges Geknüppel mit Vor- und Heckleinen und Spring an einem Stück. Wirklich schlechte Seemannschaft. Ich habe sie höflich aufgefordert ihr Schiff neu festzumachen, so dass ich am Morgen los kann. Gleich nach der Hafenausfahrt habe ich das Grosssegel gerefft und bin gegen den Südwestwind aufgekreuzt. Meist war der Wind zwischen 15 und 20 Knoten. Das Wasser ist teils wieder sehr untief und man muss sich gut an die Betonnung halten und weiter draussen Segeln. Beim Fahrwasser nach Haapaslu habe ich das Grosssegel geborgen und bin dann noch die paar letzten Meilen mit achterlichem Wind unter Genua bis vor den Hafen gesegelt. Hier hat mich ein junger Hafenmeister bei der ersten Marina, der Westmeeri Marina,  zu einer Heckboje gewunken. um 12:00 Uhr bin ich fest. Die Marina ist top, beste Service-Anlagen und preislich sogar günstiger als die Grand Holm Marina. Der Hafenmeister hat für mich sogar die Schweizer Flagge gehisst. Den Nachmittag verbringe ich in der Stadt. Haapsalu ist eine malerische und sehr ruhige Kurstadt. Im 19. Jahrhundert schätzte der russische Adel, darunter die Zarenfamilie und der Komponist Pjotr Tschaikowski, den heilenden Meeresschlamm der Region. Imposant ist auch die historische Burg. Die Burgruine stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Altstadt ist geprägt von charmanten, bunten Holzhäusern, kleinen Kunstgalerien und gemütlichen Cafés. Ein architektonisches Meisterwerk aus Holz direkt am Wasser ist der Kursaal. Er ist heute ein Restaurant und Café. Die Uferpromenade entlang der Bucht lädt zum Flanieren ein. Schon Pjotr Tschaikowski liebte die morgendlichen Spaziergänge hier in Haapsala. Er verbrachte im Sommer 1867 einen prägenden Erholungsurlaub in Haapsalu, der tiefe Spuren in seinem Werk hinterlassen hat. Der damals 27-jährige Komponist reiste auf Anraten seines Arztes in den estnischen Kurort, um sich von einem Nervenzusammenbruch zu erholen. Die ruhige Atmosphäre der Stadt, die Sonnenaufgänge und die Schwäne in der Bucht inspirierten ihn nachhaltig. Während seines zweimonatigen Aufenthalts schuf Tschaikowski bedeutende Stücke, so z.B. Souvenir de Hapsal. Ein bekanntes Denkmal der Stadt ist die Tschaikowski-Bank an der Promenade. Wahrscheinlich schaffe ich es doch nicht mehr nach Riga. Der heutige Tag hat gezeigt, wie weit der Heimweg mit Aufkreuzen noch sein kann. Und heute war bestes Champagner-Segeln. Mit Regen und Welle kann das noch viel anderes werden. Aber auch ohne Riga stehen auf dem Heimweg noch ein paar Highlights an. Am Freitag legt der Wind noch weiter zu. Ich bleibe im Hafen. Mein nächstes Ziel Kuivastu. Kuivastu ist ein Hafenort an der Ostküste der Insel Muhu am Moon-Sund. Von Kuivastu aus gibt es eine Fährverbindung zum Festland nach Virtsu.

Hafengebühren (8m Boot): EUR 30.- (WC, Dusche, Waschmaschine, Wasser, WLAN, Sauna)

Log: 30.17 sm


 

Kuivastu: Sa, 8. August 2026

Um 05:40 Uhr geht’s mit leichtem SE-Wind los. Vor dem Hafen setze ich die Segel und segle mit achterlichem Wind um die Halbinsel. Das Fahrwasser ist eng und führt mich direkt in eine schwarze Regenwand mit Starkwind aus Südwest (25kn). Für einen Moment sehe ich nichts mehr. Zum Glück bin ich gerade bei roten und grünen Tonnen. Ich nehme sofort das Grossegel runter und rolle das Vorsegel ein. Mit Motor bleibe ich zwischen den Tonnen. Ausserhalb der Tonnen ist es schnell nur noch einen halben Meter tief. Von hinten kommt ein grösserers finnisches Segelboot unter Motor, das mir zusätzliche Orientierungshilfe ist. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei und schon bald geht’s bei schönem Wetter mit Amwind nach Kuivastu. Zu Beginn war das Tempo noch bescheiden, daher reichte es mir am Ende des Tages nicht bis zum schöneren Hafen Koiguste. Es wären noch mindestens 25sm Meilen gewesen und der Wind wahrscheinlich abflauend. Nach 14:00 Uhr war ich in Kiuvastu auf der Insel Muhu fest. Ich war das erste Gastboot des Tages. Der nette Hafenmeister nahm die Leinen an und hisste später die Schweizer Flagge. Neben dem geschützten Gästehafen ist der Fährhafen, der die Insel Muhu und Saaremaa mit dem Festland verbindet. Jetzt am Wochenende ist reger Fährverkehr. Von Muhu kommt man über eine Brücke nach Saaremaa. Ausser dem Fährterminal gibt es hier nichts. Ich gehe früh in die Koje, da ich morgen bis nach Kuressaare möchte. Übermorgen soll wieder Starkwind sein und dann möchte ich an einem interessanteren Ort sein.

Hafengebühren (8m Boot): EUR 30.- (WC, Dusche, Wasser) + EUR 5.- Strom, WLAN geht nicht

Log: 30.98 sm


 

Kuressaare: So, 9. August und Mo, 10. August 2026

Wie geplant geht es früh los. Um 06:00 Uhr lege ich ab. Zuerst geht’s noch gemütlich um Muhu und die kleine vorgelagerte Insel. Auch hier ist es in Landnähe sehr untief. Dann folgt eine sehr lange Starkwindkreuz mit unzähligen Wenden. Meist war der SW-Wind zwischen 15-20 Knoten. Mit einem Reff und gerollter Genua ging’s gut. Wenn nun noch mehr Starkwindtage mit Abwind folgen werde ich auf die kleinere Fock wechseln. Mit Sonnenuntergang bin ich um 21.00 Uhr nach 79 Seemeilen im Hafen von Kuressaare. Es gibt noch einige freie grosse Boxen. Alle Heckbojen sind ebenfalls frei. Müde geht’s nach einem schnellen Abendessen in die Koje. Der Montag Morgen ist noch schönes Wetter und ideal für einen Stadtrundgang. Am Nachmittag kommt der vorhergesagte Starkwind und bringt Regen. Kuressaare ist die Hauptstadt der Insel Saaremaa. Bekannt ist der charmante Küstenort vor allem für seine gut erhaltene Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert. Die mittelalterliche Festung ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie liegt in einem grossen Park direkt am Meer und beherbergt das Saaremaa-Museum, das die Geschichte der Insel zeigt. Kuressaare hat eine lange Tradition als Kurort mit zahlreichen Wellness-Hotels. Kuressaare gilt als Stadt mit der höchsten Dichte an Spa-Plätzen pro Einwohner weltweit. Es hat auch eine idyllische Altstadt. Rund um den Marktplatz befinden sich das barocke Rathaus (von 1670), gemütliche Cafés, Restaurants und Holzhäuser. Ich verbrachte den Nachmittag in einem netten Café und im Kursaal. Endlich bin ich in meinem Wallander-Krimi bei Kaffee und Kuchen mal bisschen weiter gekommen.

Hafengebühren (8m Boot): EUR 36.- (WC, Dusche, Wasser, Strom, WLAN)

Log: 79.00 sm


 

Montu auf Saaremaa: Di, 11. August 2026

Kurz vor 08:00 Uhr lege ich in Kuressaare ab. Die lange betonnte Ausfahrt kann ich bereits auf Amwindkurs Segeln. Auf gleichem Kurs geht’s mit schönem SW-Wind 25sm nach Montu. Ich laufe mit gereffter Genua und Gross auch schön. Das Deutsche Boot das neben mir lag, folgt auch nach Montu. Nur mit Genua überholt es mich zum Schluss. Es ist aber auch etwa 14m lang. Montu ist ein kleiner Hafen im Südwesten der Insel Saaremaa. Er ist für mich dann der ideale Absprung nach Lettland. Der Hafenmeister empfiehlt mir den 10km entfernte Leuchtturm zu besichtigen. Den Leuchtturm werde ich morgen mit dem Boot passieren, daher bleibe ich bei diesem wechselhaften Wetter lieber an Bord.

Hafengebühren (8m): EUR 10.- (Strom, WC, Dusche)

Log: 25.09 sm


 

Ventspils (Lettland): Mi, 12. August und Do, 13. August 2026

Mit NW-Wind geht’s knapp 40sm nach Lettland. Ein Kurs zwischen Halb- und Amwind bringt mich schnell ans Ziel. Um 14:00 bin ich nach acht Stunden Fahrt an einer Heckboje im Gästehafen von Ventspils fest. Ventspils liegt an der Mündung des Flusses Venta. Ventspils ist Lettlands grösster Hafen. Es erscheint hier alles eine Nummer grösser. Es gibt riesige Hafenanlagen mit Tanks beim „Baltic Coal Terminal“. Der Hafen kommt mir aber vor, wie eine Filmattrappe, es gibt keine Bewegung im Hafen und die Hafenkräne sind alle bunt angemalt. Auf meiner Seite ist der alte und touristische Stadtteil. Im Yachthafen ist auch der französische Ruderer Gael de Croivsier. Er rudert von Polen nach Helsinki. Er ist mit seinem Boot auch schon über den Atlantik gerudert. Am Abend gehen wir Essen. Zum Essen trinken wir Kwass. Kwass ist ein Getränk, das durch Gärung aus Brot hergestellt wird. Ein erfrischendes Getränk, das z.B. in Russland, Lettland oder Litauen verbreitet ist. Anschliessend schauen wir am Strand die Sonnenfinsternis. Viel sehen wir jedoch nicht. Gael rudert am Donnerstag Morgen los. Für mich ist es ein Hafentag und ich schaue mir die Stadt an. Die Stadt zeichnet sich durch ihre Parks aus. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst leuchtet Ventspils in sattem Grün; Blumen, Skulpturen und Brunnen ergänzen die Anlagen. Es finden sich ebenfalls saubere, unberührte Naturgebiete am Meer. Ventspils gilt als die sauberste Stadt Lettlands. Die Stadt zeichnet sich durch ihre Parks aus. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst leuchtet Ventspils in sattem Grün; Blumen, Skulpturen und Brunnen ergänzen die Anlagen. Der weisse Sandstrand ist endlos. Der Strand wurde mit der Blauen Flagge ausgezeichnet: eine internationale Beurteilung für saubere Umwelt, gute Wasserqualität,  Sicherheit am Ufer und auf dem Wasser sowie ein hohes Mass an Komfort. Alle weiteren Sehenswürdigkeiten sind zu Fuss zu erreichen, insbesondere der historische Stadtkern und die vielen Kühe. Die bunten Kuh-Skulpturen gehen auf das internationale Kunstprojekt CowParade zurück, an dem die Stadt in den Jahren 2002 und 2013 teilnahm. Heute prägen rund 24 lebensgrosse Fiberglaskühe sowie einige übergrosse Kühe das Stadtbild. Ventspils hat rund 32’500 Einwohner und ist damit die sechstgrösste Stadt in Lettland. Die Stadt ist mit ihren vielen Parks sehr grosszügig angelegt, weshalb die Stadt oft sehr leer und ruhig wirkt.

 

Hafengebühren (8m): EUR 30.- (Strom, Wasser, WC, Dusche; WLAN)

Log: 38.09 sm


 

Pavilosta: Fr, 14. August und Sa, 15. August 2026

Mit SW-Wind von 15-20kn war es eine sehr lange Kreuz von knapp 60sm nach Pavilosta. Eigentlich war der Weg nur etwa 30sm. Die Wellen und die Kreuz haben den Kurs extrem verlängert. Abgelegt in Ventspils habe ich um 06:00 Uhr; angelegt in Pavilosta dann um 19:30 Uhr. Pavilosta ist nach Ventspils ein weiterer der drei lettischen Häfen an der offenen Ostseeküste von Lettland. Von den drei Küstenhäfen ist Pavilosta der mit dem grössten Urlaubsflair. Im Gegensatz zu den städtisch geprägten Hafenorten Liepaja und Ventspils – die auch grosse kommerzielle Hafenanlagen haben – ist Pavilosta eine ruhiger und naturnaher Hafen. In den letzten Jahren ist der nicht einmal 1.000 Einwohner zählende Ort zu einer Art In-Treff der Letten geworden. Vor vielen Jahren hat sich hier wegen der guten Wellen und dem schönen Strand die Surferszene des Landes getroffen. Der Trendsport und lässige Flair haben in der Folge immer mehr Künstler und städtisches Szenepublikum angezogen. Heute gibt es hier Surfschulen, Cafés und Restaurants. Die Einfahrt in den Hafen ist einfach. Die beiden Molenköpfe sind mit rot und grün befeuert und ein Richtfeuer führt sicher durch den langen Hafenkanal. Es gibt dann drei verschiedene Liegeplatzmöglichkeiten, die alle nah beieinander und ganz nah am Zentrum des Ortes sind. Ich wähle Pavilosta Port. Dieser Hafen ist der einzige auf der Uferseite des Ortes. Von hier aus kann man zu Fuss die Cafés und Restaurants, den Ort, die Geschäfte und den Surfstrand besuchen. Die kleine Schwimmsteganlage mit Fingerstegen hat gut Platz. Mein Deutscher Bootsnachbar Wolfgang, der schon viele Jahre hier in Pavilosta lebt hat viel zu erzählen. Die Preise im Ort sind in den letzten Jahren stark gestiegen. So haben z.B. Unternehmer aus Riga hier ihre Boote. Er macht am Abend noch zwei Bootstouren, u.a. eine für eine Hochzeitsgesellschaft. Viele Boote unter fremder Flagge sind Einheimische und gar keine Gastsegler. Die Einheimischen haben es nur bisher „versäumt“ ihre Flaggen auf eine Lettische zu wechseln. Man nimmt es hier glaub nicht so genau. Der Hafenmeister mit Elbsegler-Mütze und einem kleinen alten Motorboot spricht perfekt Deutsch. Er hat mal ein halbes Jahr in Hildesheim (Deutschland) studiert. Eine grosse Schweizer Nauticat liegt auch hier im Hafen. Er nutzt das Winterlager der Werft. Es gibt eine Fähre von Travemünde nach Liepaja oder von Kiel nach Klaipeda. 

Hafengebühren (8m): EUR 20.- (Strom, Wasser, WC, Dusche; WLAN)

Log: 59.53 sm 


 

Liepaja: So, 16. August und Mo, 17. August 2026

Kurz vor 06:00 Uhr bin ich in Pavilosta los. Ich setze bereits im Hafen das Grossegel. Unter Segeln mit mitlaufendem Motor geht es zuerst zwischen den hohen Mohlen raus auf’s Meer. Der Westwind weht stark und bringt ordentlich Wellen. Für mich stimmt heute die Windrichtung. Ich habe nur eine Kreuz bis zum Leuchtturm … . Von hier kann ich hart am Wind auf Backbordbug direkt bis vor den Hafen von Liepaja. Es gibt drei Hafeneinfahrten. Zum Yachthafen führt v.a. die südliche Einfahrt. An den Wellenbrechern spritzt das Wasser hoch. Mit Vorwind komme ich aber schnell in den geschützten Bereich und bis zum Yachthafen. Der Yachthafen liegt auf der Steuerbordseite des Kanals, der den Liepaja-See mit der Ostsee verbindet. Man liegt an Fingerstegen an zwei Pontons. Die Service-Einrichtungen sind gut und preiswert. Der Hafen liegt zentral und Geschäfte (z.B. Supermarkt) und auch eine Tankstelle sind in unmittelbarer Nähe.Liepaja ist die drittgrösste Stadt Lettlands und hat etwa 67’000 EinwohnerInnen. Liepaja ist besonders für ihren kilometerlangen weissen Sandstrand und als „Stadt der Winde“ bekannt. Der Ruf als windigste Stadt Lettlands wurde durch den Bau des grössten Windparks des Landes in der Nähe noch verstärkt. Auch bekannt ist die Stadt für ihre lebendige Musikszene und den alten Stadtteil Karosta. Als Sehenswürdigkeiten gibt’s natürlich alte katholische, evangelische und orthodoxe Kirchen (St. Josef Kathedrale, Dreifaltigkeitskathedrale, Kathedrale St. Nikolaus). Bernstein spielt im Kunsthandwerk des Ostseeraumes eine grosse Rolle. Da verwundert es nicht, dass die Konzerthalle dem gelbbraunen Stein nachempfunden ist. Die erst im Jahr 2015 fertiggestellte Konzerthalle von Liepāja schimmert wie Bernstein und trägt daher auch den Beinamen „Grosser Bernstein“. Verweilen kann man sich auch in den grossen Strandpark entlang der Küste. Vom Strand aus sieht man die Wellen, die der Westwind über die Ostsee bringt. Liepaja gefällt mir gut, wobei Ventspils herausgeputzter daherkommt. Hier gibt es allerdings mehr Leben in der Stadt als in Ventspils. 

Hafengebühren (8m): EUR 20.- (Strom, Wasser, WC, Dusche, Waschmaschine/Trockner, WLAN)

Log: 34.35 sm 


 

Kleipeda (Litauen): Di, 18. bis So, 23. August 2026

Mit dem Sonnenaufgang lege ich nach 05:00 Uhr in Liepeja ab. Mein Ziel Kleipeda in Litauen ist etwas über 50sm entfernt und die Prognosen sagen eher leichten Wind voraus. Mit leichtem SE-Wind komme ich hart am Wind und flachem Wasser schön der Küste entlang voran. Bei der Hafenausfahrt gab’s noch Regenwolken; es tröpfelt nur einmal kurz und schon bald scheint die ganze Strecke die Sonne. Nach 13:00 Uhr dreht der Wind von SE auf S. So komme ich wieder bisschen näher zur Küste. Auch hier lange Sandstrände mit Wald. Der Wind dreht später weiter auf NW. Leider kommt er nicht so stark, wie vorausgesagt und mit 4kn Wind  komme ich Vorwind nur sehr lansgsam voran. Da ich noch im hellen ankommen möchte, motore ich die letzten 15sm. Klaipeda ist ein sehr grosser Hafen. Nach der Einfahrt kommt für etwa 2sm der Handelshafen. Auch Militärschiffe sind stationiert. Ich gebe Gas, so dass ich rechtzeitig zur Brückenöffnung der Drehbrücke zum alten Schlosshafen um 21:00 Uhr da bin. Es gäbe sonst noch einen Sportboothafen beim Kreuzfahrtterminal und auf der Smiltynė-Seite (Smiltynė Yacht Harbour). Ich bin grad rechtzeitig hier und der Hafenmeister gibt mir einen tollen Platz (Nr. 11) direkt beim Schlossturm. Als ich anlegte war die Polizei vor Ort. Ich hätte mich im Hafen per Funk (Kanal 9, Klaipeda Radio 5) anmelden sollen. Ich habe auf der Steuerbordseite der Einfahrt noch jemanden winken sehen. Ich habe ihn aber ignoriert, da ich nicht sicher war, ob er mich meinte und ich die Brückenöffnung nicht verpassen wollte. Daher schickten sie dann einen Polizeibeamten von der anderen Seite. Per Funk konnten sie mich auch nicht erreichen. Er war sehr nett und wollte nur die ID und die Schiffsdokumente sehen, resp. er leitete sie an den Tower mit Foto weiter. Auf dem Plotter war absolut kein Schiffsverkehr und ich war immer am Rand der Fahrrinne. Bisher musste ich mich in keinem Hafen in Estland und Lettland anmelden. In Ventspills habe ich noch den Hafenmeister gefragt, ob das hier üblich ist. Er sagte, man wäre überrascht, wenn man sich per Funk anmeldet. Klaipeda hat aber schon viel mehr Verkehr: Fähren, Fischer, Frachter, Lotsen, Militärschiffe, Kreuzfahrtschiffe und Freizeitboote. Da ist verständlich, dass sie wissen wollen, wer sich wie im Hafen bewegt. Bei der Ausfahrt werde ich mich dann per Funk abmelden. Kurz nach meiner Ankunft dann noch ein starker Regen. Ich bin droh, dass ich unter Deck bin und bald schlafen kann. Der Mittwoch ist ein Hafentag und ich schaue mir am Nachmittag die Stadt an. Man kann sich in der Stadt gut verweilen. Es gibt aber nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Die Sehenswürdigkeiten befinden sich im historischen Stadtzentrum sowie auf der gegenüberliegenden Landzunge Smiltynė. Das pulsierende Herz der Stadt ist die Altstadt. Im Gegensatz zu anderen litauischen Städten ist der Altstadtkern durch klassisch norddeutschen Fachwerkbau geprägt, der an die preussische Vergangenheit erinnert. In der ganzen Altstadt sind kleine Bronfiguren verteilt, so z.B. auch das Schwarze Gespenst (Juodasis vaiduoklis). Eine Skulptur, die bei der Drehbrücke zum Schlosshafen aus dem Wasser klettert. Die Drehbrücke ist ein technologisches Denkmal und der einzige handbetriebene Drehmechanismus dieser Art in Litauen. Die Brücke wurde 1855 aus genietetem Eisen erbaut und ist mit schweren dekorativen Ketten verziert. Die Brücke öffnet zu jeder vollen Stunde für 15 Minuten für den Bootsverkehr. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Dreimastschoner „Meridianas“.
Dieses Segelschiff wurde 1948 in einer Werft in Turku, Finnland, gebaut – als Kriegsentschädigung an die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. Später gehörte das Schiff zur Seefahrtschule Klaipėda und diente als Schulschiff. Das Segelschiff „Meridianas“ beendete seine Dienstzeit als Schulschiff im Jahr 1967 und kehrte anschliessend in die Stadt zurück. Heute ist es ein Restaurant auf dem Fluss Danė. Jetzt muss ich passenden Wind abwarten, so dass ich mit genügend Abstand an der Russischen Exklave Kaliningrad und deren militärischen Sperrgebiet 117 vorbei komme.

Hafengebühren (8m): EUR 20.- (Wasser, WC, Dusche, WLAN, Strom + 1EUR pro KW)

Log: 53.49sm


 

Nida (Litauen): Fr, 21. August 2026

Am Freitag Morgen bin ich mit der Fähre nach Smiltyne auf die Kurische Nehrung. Die Kurische Nehrung ist eine 98 Kilometer lange Halbinsel, die politisch fast genau zur Hälfte zwischen Litauen und der russischen Exklave Kaliningrad aufgeteilt ist. Sie wurde im Dezember 2000 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eingetragen. Die alte Fähre fährt nicht weit vom Schlosshafen ab. Die Fahrt ist kurz und dauert keine 10 Minuten. Hin- und Rückfahrt kosten für eine Person EUR 1.70. Von Smiltyne bin ich mit dem Bus gleich weiter nach Nida. Diese Fahrt dauert etwa eine Stunde und kostet EUR 8.-. Der Bus hält kurz in Juodkrantė, Pervalka und Preila. Mit dem Boot könnte man problemlos nach Nida segeln. Das Kurische Haff ist ein ruhiges Binnengewässer, teils aber recht seicht und man muss die Betonungen beachten. Der Hafen von Nida ist recht gross und man findet bestimmt Platz. Die anderen Häfen sind klein. Mit meinem Tiefgang könnte man in diesen vielleicht sogar anlegen. Nida ist ein idyllischer, friedlicher Ort. Die Atmosphäre wird massgeblich durch die einzigartige Lage zwischen der wilden Ostsee und dem ruhigen Kurischen Haff geprägt. Der Ort ist berühmt für seine traditionellen Holzhäuser. Diese sind fast alle in Dunkelrot und Tiefblau gestrichen, verziert mit weissen Fensterrahmen und oft mit Reet gedeckt. Direkt am Ortsrand türmen sich riesige, fast wüstenartige Sandberge auf. Der Kontrast zwischen dem hellen Sand, den tiefgrünen Kiefernwäldern und dem blauen Wasser ist wunderschön. Die Parnidis-Düne ist die höchste Sanddüne auf der Kurischen Nehrung, und die Aussicht vom Gipfel ist unglaublich. Man sieht weit über die Russische Grenze. Ich geniesse den Sommertag in Nida, bevor ich am späten Nachmittag wieder zurück nach Klaipeda fahre.

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